A.C.A.B., All Cops are bastards, ein mittlerweile doch schon sehr in die Jahre gekommene Schlachtruf aus den frühen Punkjahren Englands, wurde einem 15-jährigen Nürnberger Demonstrant vorgestern zum Verhängnis.
Seine Eltern hatten ihm das T-Shirt mitgebracht (woher auch immer) und er lief damit auf einer der Studibildungsdemos rum. Nun ist es ja so, dass der Spruch wirklich schon zum Repertoire jedes mittelmässigen Headshops oder pseudorevolutionären Souvenirshop auf dem Kudamm gehört, ähnlich wie Che Guevaras Konterfei, oder “Zahme Vögel singen von der Freiheit, wilde Vögel fliegen”.
Nun ja, nicht so in Bayern, denn dort wurde erst im April diesen Jahres ein neues Gesetz erlassen, die einen klaren Umgang mit derlei subversiven Sprüchen regelt. Jetzt, wo auch fast der letzte Hinterwändlerpolitiker Englisch gelernt hat ( außer Westerwelle), ebenso die Polizei auch schon “inglisch” sprechen kann, wenn sie denn will ( mit Flüchtlingen zum Beispiel eher nicht, mit Touristen eher schon), fühlen sie sich in ihrer Ehre wohl doch sehr angekratzt.
Und nahmen den Kurzen kurzerhand fest, plus Ausziehen, Leibesvisite und Anzeige wegen Beamtenbeleidigung. Und alles nur wegen A.C.A.B. Quod eram demonstrantum.
Der gute Junge schaffte es sogar als Aufmacher in die Lokalpostillen und Schundblättchen. Ich frage mich gerade, was passieren würde, wenn all die StudentInnen und SchülerInnen, die gerade im Großraum Nürnberg ihre Audimäxe besetzt halten und streiken, sich solidarisch mit dem jungen Mann zeigen würden und in hundertfacher Ausführung mit einem solchem T-Shirt durch die Nürnberger Innenstadt marschieren würden?
Die Polizei würde in einen Festnahmestress ohne Gleichen verfallen, und irgendwann würden sie vor lauter Absurdität eventuell davon ablassen. A.C.A.B. kann doch soviel bedeuten. Alle Christen ahnen Böses oder so.
Solange Innenstädte und Landstraßen, Bahnhöfe und Schulen mit Werbepostern und Firmenlogos gepflastert sind, und die Leute ganz selbstverständlich mit Nike T-Shirts rumlaufen, ( könnte man ob ihrer Firmenpraktik auch als kriminelle Vereiningung hinstellenn) sollte auch jeder Mensch auf seinem T-Shirt tragen dürfen, was er oder sie will. Und ja, meinetwegen auch Thor Steinar oder Hitlers Konterfei. Denn Verbote und Gesetze machen unfrei und unzufrieden, schüren Ängste, Misstrauen und Denunziantentum und bislang hat noch jede Nazigruppe ihre kladestinen Zeichen verteidigen können und auch durch die vielen Verbote wurden sie Zeichen erst interessant.
Die Gesinnung ist doch eh im Kopf drin und nicht nur am T-Shirt drauf. Klar, kann man Werbung laufen, mit T-Shirtsprüchen, aber wer offen ist für was auch immer, bekommt mittlerweile im Internet wesentlich mehr Input als durch ein blödes T-shirt.Und wie auch bei Demoverboten, Konzertverboten usw., sollten gerade die “Linken” nicht immer jubeln, wenn wieder etwas “Rechtes” verboten ist. Denn wir befinden uns im Kampf gegen “alle Extreme” und im Endeffekt darf den öffentlichen Raum, die öffentliche Debatte, unseren Kopf und Körper nur noch besetzen, benennen und benutzen, wer den maximalsten Profit draus schlägt oder untertänig konsumiert und weiterhin nichts in Frage stellt.
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1125227&kat=10&man=12
Am 26. November 2009 findet um 10:45 Uhr am Amtsgericht Schwäbisch Hall der Prozess gegen den Totalverweigerer Hannes statt.
Hannes hat im Dezember letzten Jahres nach 2 Monaten abgeleisteten Zivildienstes die Arbeit verweigert und ist nicht mehr zum Dienst erschienen. Seine Begründung ist grundlegend herrschaftskritisch und antimilitaristisch. So ist der Zivildienst in seiner Ausführung undGesetzeslage am Kriegsdienst festgemacht und eng mit ihm verbunden, im Fall eines Krieges ist der Zivildienstleistende genauso als Handlanger fürKriegshandlungen vorgesehen.
Noch weitergehend ist die Kritik am Dienst als Zwangsarbeit an sich. Eine jede Zwangshandlung des Staates ist als den Menschen einschränkend und herrschaftsförmig abzulehnen und zu bekämpfen, da sie anstelle von freiwilliger Kooperation und sozialer Hilfe eine repressive und von Kontrolle durchzogene Gesellschaft erhält, die die Ausbeutung und Zerstörung von Mensch und Umwelt nach sich zieht.
In Schwäbisch Hall werden im November noch vor dem Prozess öffentliche
Aktionen und Infoveranstaltungen stattfinden, näheres dazu in der
nächsten Rundmail. Wer in Schwäbisch Hall mit dabei sein will melde sich
bei squattheworld@web.de oder informiere sich auf
www.herrschaftsfrei.blogsport.de.
Ansonsten: Kommt alle zum Prozess!
Weitere Infos zum Thema:
Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär
Gelöbnix
Im Rahmen der Wagentage für den Erhalt des 20-Jahre bestehenden Schwarzen Kanals wurde am Freitag mittag, zeitgleich zum Beginn eines runden Tisches mit Politkern ein leerstehendes Schulgelände in Mitte/Grenze Kreuzberg (Adalbertstrasse/ fast Ecke Köpenicker, an Transpis zu erkennen )besetzt. Die Queer und Rebel Days fanden nun dort statt, heute gab es eine Demo mit etwa 1000 TeilnehmerInnen und morgen gehen sie zuende. Montag um 12 Uhr soll das Gelände wieder geräumt werden. Die BesetzerInnen bitten alle Menschen, die an Freiräumen und queeren Orten interessiert sind, sie zu unterstützen, vorbeizukommen, die Stadt zurückzuerobern.
Weltweit rufen am kommenden Samstag ca. 5000 Initiaven dazu auf, den 350-Aktionstag zu begehen. Dahinter steht der Appell der BürgerInnen an führende PolitikerInnen bei den kommenden Klimaverhandlungen, besonders den Cop 15 im Dezember in Kopenhagen, ehrliche und zukunftsweisende Klimaschutzbestimmungen zu beschließen. 350.org steht für 350 parts per million Co2 Ausstoß ( die Million setzt sich aus anderen Gas-Teilchen in der Atmosphäre zusammen), der absoluten Höchstgrenze von Co2, dass weltweit noch ausgestoßen werden darf, um eine Klimakatastrophe abzuwenden.
Bis zum Anfang der Globalisierung betrug der Co2- Ausstoß ungefähr 275 ppm, was auch wichtig ist, denn ganz ohne Co2 Ausstrahlung wäre es einfach zu kalt auf der Erde, da Co2 und andere Treibhausgase dafür sorgen, dass ein Teil der Wärme in der Atmosphäre wieder zurückgestrahlt wird. Leider sind wir beim Verbrennen im Wirtschaftswachsumswahn ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen: Mittlerweile beträgt der Co2 Ausstoß schon ca. 387 ppm, und steigt jährlich um 2 ppm an.
Was zunächst wenig erscheint, könnte aber schon bald in einer Katastrophe enden, schließlich verläuft das Erhitzen des Planeten und seine Folgen nicht linear, schon jetzt sagen Wissenschaftler eine Art Dominoeffekt, der bislang noch nicht wirklich in seiner Schwere eingeschätzt werden kann für den Treibhauseffekt voraus, wenn die Polkappen weiter abschmelzen und das Weiß des Eises nicht mehr die Sonnenstrahlen zurückabsorbiert, sondern das dunkle Meer sie dankend absorbiert und sich somit noch weiter aufheizt. Gleichzeitig werden munter weiter die letzten Regenwälder der Erde für Sojaanbau (u.a. für die Gut- und Günstigen Discounterwürstchen bei Dir um die Ecke) abgeholzt, bedrohte Arten und ihre Tätigkeit für ein stabiles Ökosystem verschwinden, Moore werden entwässert für intensive Landwirtschaft ( Moor ist der größte Co2 Speicher der Erde) und Permafrostböden tauen ab und setzten das 25 mal aggresivere Klimagas Methan ab…. die Liste ist lang und erschreckend. Durch den wachsenden Wirtschaftsdruck wird zunehmend auf der ganzen Erde Raubbau parallel betrieben und kein Ende ist in Sicht. Oder eben doch?
Im Rahmen der Kampagne 350.org wollen weltweit bislang schon knapp 5000 Initiaven aus 171 Ländern an die führenden Politiker appelieren ernsthafte, verantwortungsbewusste Politk zu betreiben, und diese besonders auf der Klimakonferenz in Kopenhagen zu vertreten. Verantwortungsbewusst hieße in diesem Sinne, den Großkonzernen dicke Absagen zu erteilen, bzw. hohe und kostenintensive Umweltauflagen, ein zweifelhafter Emissionshandel wie Kioto, bei dem Zertifikate auch mal unter der Hand für umme an “führende Wirtschaftsunternehmen” ( Stichwort Standortfaktor!) verteilt wird, wäre dann jedenfalls nicht mehr drin. Um es nochmal deutlich zu sagen: Ein Ziel von 350 ppm wird eine große Herausforderung für uns alle sein und wir müssen uns zumindest in den westlichen Ländern alle einschränken, außer eventuell noch ein paar Omis und Opis, die sowieso immer Fast-SelbstversorgerInnen waren.
Doch nur mit Quecksilber-Elektrosmog-Leuchten (sog. Energiesparlampen) und Loha-mäßig shoppen werden wir den ppm noch nicht einen Punkt herunterbringen. Solange die Großindustrie nicht in ihrem Gebaren gestoppt wird, 29 neue Kohlekraftwerke geplant werden (u.a in Lubmin am empfindlichen Ökosystem Greifswalder Bodden), Gentechnick grünes Licht gegeben wird, Atommeiler länger läufen dürfen ( nein, die sind nicht Co2-frei, oder wächst Uran einfach so am Rasen neben dem Kraftwerk?) solange Vattenfall Naturschutzgebiete abbaggern darf, mit Müll große Geschäfte gemacht werden können und es billiger ist, einen Becher Joghurt in 6 verschiedenen Ländern herzustellen und herumzukarren, bevor er im Supermarkt steht, solange sind all die Umweltbildungsangebote nur halbherzige Blendware.
Man kann die 350.org Kampagne auch naiv nennen, ein nettes Medienspektakel und Obrigkeitshörig, denn wieder einmal wird nur an die Regierenden appeliert, dass sie es für uns richten werden und müssen, ohne per se Kapitalismus und Herrschaftsstrukturen eine Absage zu erteilen. Auf der anderen Seite spricht die Kampagne aber Menschen an, die bislang vielleicht nicht politisch aktiv waren und sich der offenen Struktur wegen endlich einmal herantrauen, um ein gemeinsames relativ einfaches Ziel anzupeilen und gemeinsam mit dem Rest der Welt ein Medienecho zu erlangen ( in einigen Orten läutet 350 mal die Kirchturmglocke, auf den Kapverden (trockene Insel im Atlantik, potenziell Dürre und Überschwemmungsgefährdet) gibt es eine Ökorally, bei der an die TeilnehmerInnen eine trockene Pflanze in die Hand bekommen und dann in der Stadt nach Klimaanlagen suchen müssen, mit deren Kondenswasser sie die Pflanze wieder zum Leben erwecken sollen, in Portugal werden 350 Bäume in einem Dorf gepflanzt, 350 Leute fahren mit dem Fahrrad durch Porto, in der Mongolei will eine Gruppe mit 350 Wartenden der Transibirischen Eisenbahn an einer Umsteigestation über 350 ppm sprechen, in Nigeria gibt es ein Seminar zum Thema “Islam und Klimawandel” usw. usf.
Die Kampagne setzt kreative Energie frei, die die Menschen in Zukunft noch öfters gebrauchen werden, denn natürlich glaubt (fast) keiner an einen plötzlichen Systemwandel in Kopenhagen. Zudem haben durch den breiten Aufruf, der einmal nicht eurozentrisch war, auch viele NGOs in Ländern Auftrieb bekommen, in denen Klimaschutz bislang kein großes Thema war. Tausende von Menschen werden sich erstmals bewusst für das Klima einsetzen. Ein Zeichen wird es allemal sein, und bestimmt nicht das letzte.
Vor Kopenhagen braut sich was zusammen. Am 26.09. wurde z.B. ein Kohlekraftwerk von Vattenfall in Kopenhagen von 1500 Aktivistinnen besetzt und vorsichtshalber abgeschalten…das nur so am Rande, es ging ja um was anderes….
und nun noch die Einladung zur Aktion in Berlin:
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24. Oktober, 10:30 bis 12:30 Uhr: In einer spektakulären Castingshow am Brandenburger Tor wird unter 350 Merkels die wahre Klimakanzlerin gesucht! Der 24. Oktober ist weltweiter Klima-Aktionstag mit über 3.000 Events – Die Klimapiraten wollen das größte in Deutschland veranstalten.
Dazu benötigen sie 350 Angela Merkel-DarstellerInnen! Und jeder kann, darf und soll dabei sein. Das wiederum geht ganz einfach: Hingehen und die Klimapiraten stellen die Merkelmasken und führen Regie. Für den Abend wird dann zur großen 350.org-Party eingeladen.
Warum gerade 350? Laut den Klimapiraten ist 350ppm (parts per million) die nach derzeitigem Stand der Wissenschaft verträgliche Grenze der CO2-Konzentration in der Luft, wenn die Klimakatastrophe noch verhindert werden soll. Diese Zahl soll, so die Aktivisten, jetzt in die Köpfe der Politiker.
Gesucht: 350 Angela Merkels für Aktion am Brandenburger Tor!
Anmelden für die Aktion könnte ihr euch bei Jonas Ecke: j_ecke[at]yahoo.com.
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350.org (mit Aktionskarte zum Mitmachen)
die KlimapiratInnen ( Klimakampagne für die Zukunft und das Leben mit Segel auf Kopenhagen und Säbel auf das Kohlekraftwerk Lubmin)
Ein Video zum “antriggern” hier.
Klimaemissonen selbst ersteigern
Klimaschutz von unten
Und wieder mal ein seit Jahren etabliertes, unkommerzielles Projekt bedroht. Das RAW-Gelände, dass von einem bislang recht nebulösen isländischen Investor in eine Art Pseudo Öko-Autofrei- Kultursiedlung umgebaut werden soll ( aber Vorsicht: Ein Investiment muss sich längerfristig rechnen, vorbei also mit unkommerziellen Angeboten, die sich an alle Bevölkerungsgruppen richten und nicht nur an gutverdienende (C)O2 World-Mediespree-Seifenblasen-Atomkraftwerk-Architektur-ach so wichtige Medienmacher, die seit Jahren in den traditionsreichen Kiez schwemmen und ihn nach und nach gentrifizieren. Ein bisschen Latte Mach aufm Dach trinken und der S-Bahn hinterherschauen- ist ja alles so schön bunt hier und wir können uns es leisten. ein paar Demos ab und an durch den Kiez lässt Knisterstimmung aufkommen, schließlich hat man ja gehört, dass HIER das wahre UNDERGROUNDleben tobt. Für soft-Revolutionäre und weichgespülte Kulturschaffende, die den Status Quo zementieren und nicht hinterfragen wollen, damit sie ihre sehr wichtige Arbeit nicht verlieren, bietet sich eine solche Nutzung des RAW Tempels geradezu an.
Abgesehen davon, dass das RAW-Gelände sowieso schon grossteils recht kommerziell genutzt wird und vor ein paar Jahren auch schöner war ( mit Garten und ohne Zaun um Besitzpfründe abzustecken) sehen sich jetzt eben gerade die RAW-Tempel e.v. Leute mit räumungsklagen konfrontiert, dass sind die, unter derem Dach sich ein Wohnhaus, das Ambulatorium (Lesungen, Kleinkunst, Vokü), der Zirkus Zack und das selbstverwaltetet Stoff und Gerätelager mit den Trainingsräumen für Źirkuskünste befindet. sie sind es auch, die sich kommerziellen Bebauungsplänen am meisten widersetzten, “mit den anderen könne man (Investor) ja reden”
Die RAW-Tempel Leute haben bis zum nächsten Wochenende einen Infowagen an der Revalerstrasse aufgestellt, an dem BürgerInnen und AnwohnerInnen ihre Träume für das Gelände kurz skizzieren können, die werden dann ausgewertet und an die BVV weitergeleitet.
Weiter geht es im Friedrichshain in die Rigaerstrasse. Hier tobt immer nooh der Kampf zwischen der Liebigstrasse 14 und dem Kinderschutzbund, dessen Unnaer Geschäftsführer Edwin Thöne ebenfalls die Eigentumsrechte am Objekt “erworben” hat. Die Liebigstrasse hat bis auf einen Mietvertrag ( Verhandlungsterminh 13.11) alle Mietverträge schon verloren. Ein 20 Jahre altes Projekt mit Infoladen, Kneipe, Schutz und Rückzugsraum in einem von immer mehr Naziübergriffen geplagten Kiez steht kurz vor dem aus . Besonders skandalös: In dem Haus wohnen 3 Kleinstkinder. Der Kinderschutzbund hilft eben immer nur denen, bei denen es ihnen in den Kram passt. Manche Menschen ( und deren Kinder) sind eben mehr wert, andere weniger. Erstaunlich ist hier die bundesweite Solidarität von Unna bis Chemitz, von Freiburg bis nach Neubrandenburg gab es schon soliaktionen, der Kinderschutzbund wurde belagert und seine Seite ging überraschenderweise ebenfalls offline. Selbst wenn sie den Räumungstitel haben, stellt sich die Frage, wieviel Imageschaden der Laden vertragen kann. Haltet die Augen offen für Aktionstage
Ein anderes Haus, die Rigaer 84 wurde eher schnell und schermzlos geräumt, kurz vor dem G8 Gipfel 2007 brach ein Feuer im Dachstuhl aus, von den Massenmedien als Ursache wurde die angebliche Hanfplantage und ihre Beleuchtungsröhren beschuldigt. Mit sehr viel Glück kamen alle Menschen im Haus mit dem Leben davon. Der Eigentümer, der schon seit Jahren nach Motiven für eine schnelle kostenintensive Sanierung suchte, schlug danach gleich zu. Das Haus, in dem es einst einen Veranstaltungsraum und die legendäre Kneipe “Kellerloch” gab, ist jetzt ein geischtsloses Yuppiehaus wie jedes andere, dessen Not-in-my-backyard AnwohnerInnen sich gegen jedes Konzert im angerenzenden Fischladen wehren und die Polizei rufen.-
In Mitte dagegen, am Rosenthaler Platz hat sich bislang der Widerstand gegen die Räumung der Brunnenstrasse 183 gelohnt. Im Vorderhaus liegt der weltberühmte Umsonstladen. Nachdem die ursprünglichen BewohnerInnen wegen eines Räumungstitel nach jahrelangem Rechtsstreits ausgezogen sind, haben sich im Juni neue BewohnerInnen gefunden, die das Haus, seine kulturelle und soziale Wichtigkeit in diesem Kiez verteidigt haben wissen wollen. Sie suchen noch Mitstreiterinnen, Platz ist genug da, auch wenn es jetzt im winter eher ungemütlich ist, da schon elektroleitungen und Sanitätanlagen herausgeschlagen wurden. Viele besetzte Häuser waren aber in ähnlichen Zustand und konnten durch vereinte Kraft instandgesetzt werden. Besser als jede Gas-Wasser-Scheiße-Ausbildung!
Zuschlechterletzt ist auch noch der Wagenplatz “Schwarzer Kanal” mal wieder räumungsbedroht, nach 20 Jahren Bestand. Bis 2002 war er gegenüber von der Köpi, da wo jetzt die hässliche Verdi-Zentrale herumposen muss ( als ob es nicht genug Leerstand von Büros gäbe, aber die Gewerkschaftsbonzen brauchen schon den besonderen Blick auf die Spree.) Der Platz zog dann um, ein Stück weiter in die Michaelkirchstrasse in eine unwirtliche Gegend zwischen Bürokomplexen und Vattenfall. Der Platz gehört mit den Nachbargrundstück HochTief, die das Gelände mit der Auflage vom der bundesanstalt für Immobilien erworben hatte, das Nachbargrundstück bis 2010 zu bebauen. Da sich kein Investor findet und die Stimmung gegen Mediaspree in der Bevölkerung sowieso schlecht ist, bebauen sie das Grundstück nun mit einem eigenen Bürogebäude, für das sie noch keine MieterInnen haben und vermutlich sowieso größtenteils leerstehen wird, wie der Rest von Bürogebäuden in dieser Ecke. Der Skandal, dass die Stadt wie immer nichts für die kulturellen Projekte tut, die seit Jahrzehnten ihre Sinnhaftigkeit und Wichtigkeit beweisen ( und indirekt auch zum Image Berlins, für eine offene, bunte Partystadt beitragen, also sogar mehr Kohle in die Stadt bringen als all die langweiligen Büros) kompensiert sich noch dadurch, dass das Wagenplatzgrundstück nicht einmal bebaut werden soll, sondern als Baustofflager dienen soll. Ein Ersatzplatz wurde irgendwo im staubigen Marzahn angeboten, da die Grundstücke der Innenstadt nur noch an homophobe, geldstarke Personen und Unternehmen gehen dürfen, von denen die meisten noch nie mal ins Berlin gewohnt haben und es auch nur als eine Wertanlage betrachten.
Der queere Wagenplatz ruft vom 21.-25.10 zu “Queer and Rebel Actionsdays” auf.
Zuguterletzt will Berlin auch mal wieder mehrere Millionen im sozial-kulturellen Sektor einsparen. Allein in Friedrichshain 14 Millionen in der Kinder- und Jugendarbeit. Dran sind auch VHS, Büchereien, Altenpflege usw. usf. Partymeister Wowereit, der mit einer steilen Karriere bei der SPD zu rechnen hat, nachdem er Berlin weiter privatisiert, verschandelt, gegen den Willen der Bürger hat, mit Steuer und Geldgeschenken für Investoren (Flughafen, Mediaspree u.a.) aufwartet und gleichzeitig vor immer leereren Kassen steht. In Ermangelung anderer Schnapsnasen muss die Bundes-SPD um so einen flotten Kerl ja richtig glücklich sein.
Alleine die sinnentleerte Kampagne “Be Berlin”, verschleuderte 10 Millionen. Auf der anderen Seite werden systematisch selbstverwaltete Strukturen in denen eigenverantwortliches Arbeiten und Leben möglich ist, Freiflächen wie Nachbarschaftsgärten und interkulturelle Begenungsorte zerstört und öffentliche Einrichtungen, in denen 1000 ihrer Erwerbsarbeit nachgehen durch Kürzungen geschlossen. Das ist doch das eigentliche Image Berlins, und das geht vor die Hunde. Öffentliche Betriebe müssen nach den gleichen Profitdenken verwaltet werden, wie ihre privaten Pendants. Das S-Bahn Chaos ist ein besonders prägnantens Beispiel für Privatisierungswahn, wenn auch auf Bundesebenes, aber eben nur eines von vielen. Denn das Argument, dass neue Investitionen wie Media Spree und der kommerzielle Ausbau von Tempelhof mehr Arbeitsplätze bringen, ist völliger Humbug. gleichzeitig gehen in der freien Kulturszene tausende von Arbeitsplätzen vor die Hunde. Die Arbeitsplätze im multinational-kommerzialisierten Sektor sind sehr oft von prekärsten flexibilisierten Arbeitsbedingungen geprägt oder gar von Langzeit unbezahlten Praktika. Mit zunehmender Übernahme des Kultur und Sozialssektor durch grosse privaten Unternehmen sehen sich auch kleinere, traditonsreiche und öffentliche Versorger immer mehr unter Profitmaximierungsdruck und entlassen, stellen nur noch kurze Verträge aus. Dazu kommt auch noch die 1-Euro-Job Unterwanderung, die zwar die Arbeitslosenstastiken schönt und die Leute auf Trab hält um nicht gegen den Stadtumbau von oben protestieren zu können, aber längerfristig nur reguläre Arbeitsplätze zerstört hat. Die Agenda 2010 wurde ja auch von führenden Wirtschaftsvertretern wie Peter Hartz von VW vorangebracht. Und Menschen, die bislang in Berlin gelebt haben, weil sie sich ganz dem Leistungsdruck und Erwerbsarbeitsdruck entziehen wollten ( und teilweise auch konnten) und dafür unermüdliche Ehrenamtliche Arbeit geleistet haben, für diese einst freie Stadt, die kommen völlig unter die räder.
Deshalb müssen wir jetzt etwas dagegen tun und nicht daheim sitzen bleiben, weil das Wetter schlecht ist und der Busfahrer heute morgen unfreundlich war. Es gibt keine andere Stadt wie Berlin und auch in allen anderen Städten dieser Welt greifen Gentrificationsmechanismen um sich. Eine Flucht lohnt also nicht.
Zuguterletzt noch, finden natürlich immer noch die Koalitionsbelagerungen statt, am 17.10 gab es eine aktion gegen E-ON ( by the way schon den Stromanbieter gewechselt?-letzte Chance bevor uns Krümmel demnächst um die Ohren fliegt!) und derzeit laufen die antirassistischen Aktionstage.
Bald gibts auch mal wieder Nachrichten jenseits der Spreebauchnabelshow- versprochen!
Berliner alternatives Info
Mediaspree versenken
Tempelhof für alle
Übersicht über bedrohte Projekte