Archive for the ‘Wohn/Kulturprojekt’ Category
Neues aus vom Stadtumbau von Oben in Berlin
Oktober 20th, 2009 Posted 10:39 pm
Und wieder mal ein seit Jahren etabliertes, unkommerzielles Projekt bedroht. Das RAW-Gelände, dass von einem bislang recht nebulösen isländischen Investor in eine Art Pseudo Öko-Autofrei- Kultursiedlung umgebaut werden soll ( aber Vorsicht: Ein Investiment muss sich längerfristig rechnen, vorbei also mit unkommerziellen Angeboten, die sich an alle Bevölkerungsgruppen richten und nicht nur an gutverdienende (C)O2 World-Mediespree-Seifenblasen-Atomkraftwerk-Architektur-ach so wichtige Medienmacher, die seit Jahren in den traditionsreichen Kiez schwemmen und ihn nach und nach gentrifizieren. Ein bisschen Latte Mach aufm Dach trinken und der S-Bahn hinterherschauen- ist ja alles so schön bunt hier und wir können uns es leisten. ein paar Demos ab und an durch den Kiez lässt Knisterstimmung aufkommen, schließlich hat man ja gehört, dass HIER das wahre UNDERGROUNDleben tobt. Für soft-Revolutionäre und weichgespülte Kulturschaffende, die den Status Quo zementieren und nicht hinterfragen wollen, damit sie ihre sehr wichtige Arbeit nicht verlieren, bietet sich eine solche Nutzung des RAW Tempels geradezu an.
Abgesehen davon, dass das RAW-Gelände sowieso schon grossteils recht kommerziell genutzt wird und vor ein paar Jahren auch schöner war ( mit Garten und ohne Zaun um Besitzpfründe abzustecken) sehen sich jetzt eben gerade die RAW-Tempel e.v. Leute mit räumungsklagen konfrontiert, dass sind die, unter derem Dach sich ein Wohnhaus, das Ambulatorium (Lesungen, Kleinkunst, Vokü), der Zirkus Zack und das selbstverwaltetet Stoff und Gerätelager mit den Trainingsräumen für Źirkuskünste befindet. sie sind es auch, die sich kommerziellen Bebauungsplänen am meisten widersetzten, “mit den anderen könne man (Investor) ja reden”
Die RAW-Tempel Leute haben bis zum nächsten Wochenende einen Infowagen an der Revalerstrasse aufgestellt, an dem BürgerInnen und AnwohnerInnen ihre Träume für das Gelände kurz skizzieren können, die werden dann ausgewertet und an die BVV weitergeleitet.
Weiter geht es im Friedrichshain in die Rigaerstrasse. Hier tobt immer nooh der Kampf zwischen der Liebigstrasse 14 und dem Kinderschutzbund, dessen Unnaer Geschäftsführer Edwin Thöne ebenfalls die Eigentumsrechte am Objekt “erworben” hat. Die Liebigstrasse hat bis auf einen Mietvertrag ( Verhandlungsterminh 13.11) alle Mietverträge schon verloren. Ein 20 Jahre altes Projekt mit Infoladen, Kneipe, Schutz und Rückzugsraum in einem von immer mehr Naziübergriffen geplagten Kiez steht kurz vor dem aus . Besonders skandalös: In dem Haus wohnen 3 Kleinstkinder. Der Kinderschutzbund hilft eben immer nur denen, bei denen es ihnen in den Kram passt. Manche Menschen ( und deren Kinder) sind eben mehr wert, andere weniger. Erstaunlich ist hier die bundesweite Solidarität von Unna bis Chemitz, von Freiburg bis nach Neubrandenburg gab es schon soliaktionen, der Kinderschutzbund wurde belagert und seine Seite ging überraschenderweise ebenfalls offline. Selbst wenn sie den Räumungstitel haben, stellt sich die Frage, wieviel Imageschaden der Laden vertragen kann. Haltet die Augen offen für Aktionstage
Ein anderes Haus, die Rigaer 84 wurde eher schnell und schermzlos geräumt, kurz vor dem G8 Gipfel 2007 brach ein Feuer im Dachstuhl aus, von den Massenmedien als Ursache wurde die angebliche Hanfplantage und ihre Beleuchtungsröhren beschuldigt. Mit sehr viel Glück kamen alle Menschen im Haus mit dem Leben davon. Der Eigentümer, der schon seit Jahren nach Motiven für eine schnelle kostenintensive Sanierung suchte, schlug danach gleich zu. Das Haus, in dem es einst einen Veranstaltungsraum und die legendäre Kneipe “Kellerloch” gab, ist jetzt ein geischtsloses Yuppiehaus wie jedes andere, dessen Not-in-my-backyard AnwohnerInnen sich gegen jedes Konzert im angerenzenden Fischladen wehren und die Polizei rufen.-
In Mitte dagegen, am Rosenthaler Platz hat sich bislang der Widerstand gegen die Räumung der Brunnenstrasse 183 gelohnt. Im Vorderhaus liegt der weltberühmte Umsonstladen. Nachdem die ursprünglichen BewohnerInnen wegen eines Räumungstitel nach jahrelangem Rechtsstreits ausgezogen sind, haben sich im Juni neue BewohnerInnen gefunden, die das Haus, seine kulturelle und soziale Wichtigkeit in diesem Kiez verteidigt haben wissen wollen. Sie suchen noch Mitstreiterinnen, Platz ist genug da, auch wenn es jetzt im winter eher ungemütlich ist, da schon elektroleitungen und Sanitätanlagen herausgeschlagen wurden. Viele besetzte Häuser waren aber in ähnlichen Zustand und konnten durch vereinte Kraft instandgesetzt werden. Besser als jede Gas-Wasser-Scheiße-Ausbildung!
Zuschlechterletzt ist auch noch der Wagenplatz “Schwarzer Kanal” mal wieder räumungsbedroht, nach 20 Jahren Bestand. Bis 2002 war er gegenüber von der Köpi, da wo jetzt die hässliche Verdi-Zentrale herumposen muss ( als ob es nicht genug Leerstand von Büros gäbe, aber die Gewerkschaftsbonzen brauchen schon den besonderen Blick auf die Spree.) Der Platz zog dann um, ein Stück weiter in die Michaelkirchstrasse in eine unwirtliche Gegend zwischen Bürokomplexen und Vattenfall. Der Platz gehört mit den Nachbargrundstück HochTief, die das Gelände mit der Auflage vom der bundesanstalt für Immobilien erworben hatte, das Nachbargrundstück bis 2010 zu bebauen. Da sich kein Investor findet und die Stimmung gegen Mediaspree in der Bevölkerung sowieso schlecht ist, bebauen sie das Grundstück nun mit einem eigenen Bürogebäude, für das sie noch keine MieterInnen haben und vermutlich sowieso größtenteils leerstehen wird, wie der Rest von Bürogebäuden in dieser Ecke. Der Skandal, dass die Stadt wie immer nichts für die kulturellen Projekte tut, die seit Jahrzehnten ihre Sinnhaftigkeit und Wichtigkeit beweisen ( und indirekt auch zum Image Berlins, für eine offene, bunte Partystadt beitragen, also sogar mehr Kohle in die Stadt bringen als all die langweiligen Büros) kompensiert sich noch dadurch, dass das Wagenplatzgrundstück nicht einmal bebaut werden soll, sondern als Baustofflager dienen soll. Ein Ersatzplatz wurde irgendwo im staubigen Marzahn angeboten, da die Grundstücke der Innenstadt nur noch an homophobe, geldstarke Personen und Unternehmen gehen dürfen, von denen die meisten noch nie mal ins Berlin gewohnt haben und es auch nur als eine Wertanlage betrachten.
Der queere Wagenplatz ruft vom 21.-25.10 zu “Queer and Rebel Actionsdays” auf.
Zuguterletzt will Berlin auch mal wieder mehrere Millionen im sozial-kulturellen Sektor einsparen. Allein in Friedrichshain 14 Millionen in der Kinder- und Jugendarbeit. Dran sind auch VHS, Büchereien, Altenpflege usw. usf. Partymeister Wowereit, der mit einer steilen Karriere bei der SPD zu rechnen hat, nachdem er Berlin weiter privatisiert, verschandelt, gegen den Willen der Bürger hat, mit Steuer und Geldgeschenken für Investoren (Flughafen, Mediaspree u.a.) aufwartet und gleichzeitig vor immer leereren Kassen steht. In Ermangelung anderer Schnapsnasen muss die Bundes-SPD um so einen flotten Kerl ja richtig glücklich sein.
Alleine die sinnentleerte Kampagne “Be Berlin”, verschleuderte 10 Millionen. Auf der anderen Seite werden systematisch selbstverwaltete Strukturen in denen eigenverantwortliches Arbeiten und Leben möglich ist, Freiflächen wie Nachbarschaftsgärten und interkulturelle Begenungsorte zerstört und öffentliche Einrichtungen, in denen 1000 ihrer Erwerbsarbeit nachgehen durch Kürzungen geschlossen. Das ist doch das eigentliche Image Berlins, und das geht vor die Hunde. Öffentliche Betriebe müssen nach den gleichen Profitdenken verwaltet werden, wie ihre privaten Pendants. Das S-Bahn Chaos ist ein besonders prägnantens Beispiel für Privatisierungswahn, wenn auch auf Bundesebenes, aber eben nur eines von vielen. Denn das Argument, dass neue Investitionen wie Media Spree und der kommerzielle Ausbau von Tempelhof mehr Arbeitsplätze bringen, ist völliger Humbug. gleichzeitig gehen in der freien Kulturszene tausende von Arbeitsplätzen vor die Hunde. Die Arbeitsplätze im multinational-kommerzialisierten Sektor sind sehr oft von prekärsten flexibilisierten Arbeitsbedingungen geprägt oder gar von Langzeit unbezahlten Praktika. Mit zunehmender Übernahme des Kultur und Sozialssektor durch grosse privaten Unternehmen sehen sich auch kleinere, traditonsreiche und öffentliche Versorger immer mehr unter Profitmaximierungsdruck und entlassen, stellen nur noch kurze Verträge aus. Dazu kommt auch noch die 1-Euro-Job Unterwanderung, die zwar die Arbeitslosenstastiken schönt und die Leute auf Trab hält um nicht gegen den Stadtumbau von oben protestieren zu können, aber längerfristig nur reguläre Arbeitsplätze zerstört hat. Die Agenda 2010 wurde ja auch von führenden Wirtschaftsvertretern wie Peter Hartz von VW vorangebracht. Und Menschen, die bislang in Berlin gelebt haben, weil sie sich ganz dem Leistungsdruck und Erwerbsarbeitsdruck entziehen wollten ( und teilweise auch konnten) und dafür unermüdliche Ehrenamtliche Arbeit geleistet haben, für diese einst freie Stadt, die kommen völlig unter die räder.
Deshalb müssen wir jetzt etwas dagegen tun und nicht daheim sitzen bleiben, weil das Wetter schlecht ist und der Busfahrer heute morgen unfreundlich war. Es gibt keine andere Stadt wie Berlin und auch in allen anderen Städten dieser Welt greifen Gentrificationsmechanismen um sich. Eine Flucht lohnt also nicht.
Zuguterletzt noch, finden natürlich immer noch die Koalitionsbelagerungen statt, am 17.10 gab es eine aktion gegen E-ON ( by the way schon den Stromanbieter gewechselt?-letzte Chance bevor uns Krümmel demnächst um die Ohren fliegt!) und derzeit laufen die antirassistischen Aktionstage.
Bald gibts auch mal wieder Nachrichten jenseits der Spreebauchnabelshow- versprochen!
Übersicht über bedrohte Projekte
Posted in Freiräume, Privatisierung, Proteste, Wohn/Kulturprojekt
SelbstversorgerInnenwoche
September 14th, 2009 Posted 1:44 pm
Kennenlernen, Ausprobieren, Weitermachen…
4.-9. Oktober 2009 im Torhaus Trebitz
Du hast Lust, auszuprobieren, etwas unabhänger von gängigen Konsumangeboten zu werden? Mehr zu wissen, wo und wie mensch Dinge umsonst bekommen kann ? Nicht nur aus einer Produktpalette auszuwählen? Oder Du versuchst das vielleicht schon oft und willst Dich mit anderen austauschen?
In der “Selbstversorgungszeit” wollen wir gemeinsam verschiedene Lebensbereiche unter die Lupe nehmen und Wege kennenlernen, Dabei soll zum Beispiel Apfelsaft und Marmeladen entstehen, getrocknete Früchte, vielleicht eine Tasche aus Filz oder auch ein Beutel aus Leder, wir werden traditionelle Bautechniken mit regionalen Baustoffen wie Lehm und Holz kennenlernen und auch wie mensch ein Kompostklo bauen kann. Mittendrin und daneben wird es immer wieder um weitere Ideen gehen, anders zu wirtschaften: Umsonstökonomie, Nicht-Kommerzielle Landwirtschaft, Permakultur u.v.m., auch Infos und Austausch über Selbstversorgungs- und andere spannende Projekte in Brandenburg/Europa wird es geben. Das Torhaus Trebitz, wo dieser Workshop stattfindet, ist ein kleines Hofprojekt eine halbe Stunde südlich von Potsdam mit viel Idealismus,vielen Baustellen und gesammelten Erfahrungen. Wir werden am letzten Tag noch ein weiteres Projekt, mit mehr Menschen und einem “offenen Raum”Konzept, kennenlernen und dort auch Möglichkeiten selbstbestimmterer Abwasserreinigung und Energieerzeugung sehen.
Geschlafen werden kann im Gästezimmer oder Heu, bitte Schlafsack und Isomatte mitbringen. Und einen leckeren Aufstrich/Marmelade o.ä. und gern auch zum Thema passende Literatur.
weitere Infos & Anmeldung: Nicole Gernhard, gernhard@uni-potsdam.de, Tel. 033844-51034
Posted in (Lohn)Arbeitswelten, AgrarKULTUR, Energieversorgung, Freiräume, Leben ohne Geld, Wohn/Kulturprojekt
Tränengas und Helikoptereinsatz für LIDL&Co
April 16th, 2009 Posted 3:43 pm
James Bond is back- die Provinzmetrople Erfurt hatte sich für den heutigen Tag ein besonderes Schmanckerl einfallen lassen, um den ollen Punks aus den Federn zu helfen.
Pünktlich um 5:45 ging es los mit der Räumung des 8 Jahre besetzen ehemaligen Topf und Söhne Geländes. Die Polizei hatte sich wochenlang in Trainingscamps auf die Räumung vorbeireitet, wußte sie doch, dass das Gelände heiß umkämpft sein würde. Die Erfurter mobilisierten schließlich schon seit mehreren Monaten gegen den Abriss im ganzen Bundesgebiet. Immer wieder kam es daher zu großen Solidaritätsdemos mit über 1000 Menschen, spontanen, direkten Aktionen in der Innenstadt und sogar Bernd das Brot, der eines Tages spurlos vom Erfurter Marktplatz verschwand ( weil er die Heuchelei der Stadtoberen nicht mehr aushielt), solidarisierte sich in einer Erklärung mit den BesetzerInnen, bei denen er fortan nun wohnen wollte.
Das besetzte Gelände war nicht irgendeine alte Fabrikhalle, sondern ein Stück Geschichte, dass man nicht einfach so abreißen sollte. Hier wurden zu Kriegszeiten Öfen für die KZs hergestellt und Aufzüge, um die Leichen besser abtransportieren zu können. Die BesetzerInnen haben in den 8 Jahren, die sie Zeit hatten, das Gelände wiederzubeleben, neben einem reichhaltigen sozio-kulturellen Programm, dem Aufbau von Wohnraum und Wagenplatz, auch der Aufarbeitung der Geschichte einen Platz eingeräumt, Infoveranstaltungen und historische Rundgänge über das Gelände waren bis November 2008 möglich.
Das Gelände wurde dann schließlich 2007 an die Domicil Hausbau GmbH & Co. KG aus Mühlhausen verkauft. Der neue Eigentümer interessierte sich nicht für die jahrelange Arbeit der BesetzerInnen, sondern wollte nur schnell mit der Stadt einen neuen Bebauungsplan ausarbeiten. Der sieht zwar immer noch vor, dass es auf dem Gelände weiterhin Platz für eine Ausstellung über die Topf und Söhne Aktivitäten und andere Gruseligkeiten des 3. Reiches gibt, dafür verlangte der neue Eigentümer aber auch von der Stadt den Rest des Geländes als Gewerbegebiet auszuweisen.
Während der Eigentümer noch in keinster Weise sich um Bausaubstanzerhalt oder Aufbau des Ausstellungsgebäude gekümmert hat, ganz im Gegensatz zu den BesetzerInnen, ging es in den letzten Monaten vormalig darum, die Leute vom neuen “Gewerbegebiet” zu entfernen. Vormalig soll es um die Errichtung eines neuen LEBENSMITTELMARTKES gehen. Da weiß man nicht, ob man lachen oder kotzen soll, 8 Jahre Kulturarbeit mit Tränengaskartuschen wegspritzen, 60 Leute in den Knast stecken ( nur heute morgen bei der Räumung, die, die noch folgen nicht eingerechnet), Hunderte von Jugendlichen und jungen, emanzipierten Erwachsenen ihres Treffpunktes beraubt, Dutzende Menschen obdachlos machen, für einen neuen LIDL????????????????????
Zudem in der direkten Nähe schon ein Einkaufzentrum steht, die Innenstadt mit Einzelhandel nicht weit ist, genauso wie der Bahnhof mit Shoppingpassage….Wie viel kulturelle Orte hat Erfurt zu bieten und wieviele LIDL, Aldis und Plus, deren Geschäftsmodell einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Klimakatastrophe und der hohen Arbeitslosigkeit weltweit haben? Das ist auch eine interessante Frage, die ich beantwortet haben möchte, schließlich hatte ich für den kommenden Samstag eine Lesung auf dem Gelände geplant. Ich hoffe die Stadt Erfurt kümmert sich um einen Ausweichort, ansonsten muss ich wohl im LIDL lesen, denn nicht-kommerzielle Räume soll es ja nicht mehr geben dürfen. Nach Klärung dieser Frage, werde ich den Ort der Lesung bekannt geben.
Heute abend um 18 Uhr ist eine Demo am Anger angesetzt- mehr Informationen unter:
Blog der Kampagne zum Erhalt des besetzten Hauses Erfurt
Videomitschnitt der Räumung ( schockierend)
Posted in Freiräume, Proteste, Wohn/Kulturprojekt

