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Beispiele für eine gerechtere Welt

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Ausflug auf die Queeruption

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März 11th, 2009 Posted 12:40 pm

Ausflug auf Queeruption
Mein Handy klingelt. Ich fixiere es argwöhnisch. Ja, ich weiß, es war keine gute Idee, mir so ein Ding zuzulegen. Ja, ich hätte da konsequenter sein müssen. Ja, ich bin eingeknickt. Das ist aber nicht alleine meine Schuld. Binnen 1 Jahr hat die gesamte alternative Szene inklusive Leuten, die sowieso nicht sprechen können, sondern immer nur lallen die Fähigkeit verlernt, a) einen Treffpunkt und eine Uhrzeit auszumachen und b) sich daran zu halten. Nachdem ich das 50. Mal irgendwo in einer Kneipe den Abend alleine verbracht habe, weil keiner meiner verabredetern Kontakte kam, oder ein wichtiges Ereignis verpasst habe ” weil man dich ja nicht erreichen kann”, las wüßte niemand wo ich mich tagsüber aufhalte, hab ich mir so ein Dingen eben gekauft. Punkt. Und jetzt Schwamm drüber. “Umzugsunternehmen schnelle Lotte” flöte ich in das Plastikgehäuse. “Was kann ich für Sie tun?” “Ja, ich hätte da einen ganz schwierigen Kunden, sozusagen, ein Schwertransport.” verhohlenes Kichern in der Leitung. “Er müßte aus dem Innenstadtbereich ins Grüne befördert werden und das möglichst noch heute, da er nur bei Vollmond Fuß fassen kann.” Es ist Roland Zauberwald, einer meiner Freunde, die man so schlecht in Schubladen stecken kann. Ich habe es schon ein paar Mal versucht, aber immer wieder hat er es nach einigem Rumpeln und Scheppern geschafft, die Lade zu öffnen und auf den Rand zu klettern. Vorwurfsvoll hatte er sich dann den Staub von den Schultern geklopft und seine kleine Nasenklemmbrille zurechtgerutscht. “Mach das nie wieder” drohte er mir dann immer.
Ich habe natürlich kein Umzugsunternehmen, dass heißt, zumindest verdiene ich mit meiner aufopfernden Tätigkeit nicht auch das geringste bisschen. Meistens zahle ich noch drauf. So etwas nennt man in christlichen Kreisen Nächstenliebe, in Regierungskreisen Ehrenamt und ansonsten einfach bodenlose Dummheit. Seit Wochen, nachdem ich meinen Bus endlich wieder fahrtüchtig bekommen habe und fachfrauisch entrümpelt habe, fahre ich nun den lieben langen Tag irgendwelche rührseligen Punkererinnerungen und gebrechliche Sperrmüllmöbel von einer Sozialwohnung zur nächsten. Neulich hatte ich auch mal wieder eine Hausbesetzung, gescheitert nach immerhin 7 Wochen, das war dann schon ein wenig spannender. Die Türen natürlich schon versiegelt und verrammelt, mußten wir uns erst durch 2 Hinterhöfe und einen Garten schlagen um dann mit einer wackeligen Leiter ins Flurfenster zwischen Erdgeschoss und 1. Stock einzusteigen. Von dort aus brachten wir dann eine halbe Wohnungseinrichtung, inklusive großer Matratze und 7 Balletspiegeln auf dem selben Weg zurück. Das Zeug steht immer noch alles in meinem Bus, der Besitzer bis auf weiteres verschollen. Das gestaltet sich in sofern schwierig, da ich auch in Ermangelung anderer Wohnmöglichkeiten wieder in meinen Bus eingezogen bin. Ich habe es mal ein paar Wochen in einem emanzipatorischen Frauenprojekt probiert, aber ich glaube, einer von uns war zu emazipiert für die Sache und so trat ich denn auch bald wieder den geordneten Rückzug an. Seitdem parke ich wieder am Volkspark Friedrichshain, wo es nun im sogeannten Jahrhundertsommer richtig gemütlich ist. Zu meiner Freude hat in der Nähe auch noch ein Plus eröffnet, der mich seitdem mit der leckersten Schleckereien aus der Tonne versorgt. Auf dem Dach meines Busses habe ich ein Blumenbeet angelegt und ernte täglich frischen Schnittlauch und Basilikum. Ich habe jetzt auch Nachbarn, die ganz nett sind. Einer hat sich selbstständig gemacht und repariert vereinsamte Fahrräder, die man manchmal am Straßenrand findet. Oft fehlt ihnen schon ein essentielles Teil oder das Schloß sichert nur noch das Vorderrad. Toni, mein Nachbar nimmt sie alle in seine Obhut. Manchmal trinken wir ein Radler zusammen und gehen zusammen in Keller von der Sanierung preisgegebenen Häusern um nützliches Material zu sammeln. Das stapelt sich mitterlweile schon vor unseren Bussen.
Als ich bei Roland Zauberwald klingle, öffnet seine neue Freundin, die immer lacht, obwohl sie traurig ist. “Wo ist denn der Patient?” frage ich in die höhlenartige Wohnung hinein, die sich im letzten Eck des Kurorts Wedding befindet. Um ins Wohnzimmer zu gelangen, muss man sich erst durch einen Wald von an der Decke befestigten Stoffpilzen kämpfen, die meine Körpergröße alle weit übersteigen. Ein neues Projekt von ihm. Neuerding stellt er auch aus alten Fahrradschläuchen Sadomasounterwäsche her. Ich sollte ihn mal mit Toni bekannt machen. “Hier, hilf mir doch mal”, Roland hängt halb aus dem Fenster, kämpft mit einem überdimensionalen Kirschbaum, der es ihm gleich tut. Ich bin überrascht. Soll heißen, ich bin überrascht, dass mich Roland überhaupt noch überraschen kann. War ja schon auf alles gefasst. “Du hast tatsächlich einen Kirschbaum in deinem Wohnzimmer gepflanzt?”

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Wie wir das KLIK retteten

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März 9th, 2009 Posted 2:42 pm

Zunächst einmal mußte ich aber diese Aufnahmeprüfung bestehen. Der erste Termin hierfür fiel schon einmal flach, da ich mein tägliches Trainingspensum aufgrund meiner aufrechten Bürgerpflichten nicht mehr regelmäßig nachgehen konnte.

Auf der Suche nach nützlichen Einrichtungen, die man in der Stadt noch wegkürzen/ streichen/ schließen/ verleumden oder einfach abfackeln kann, war der Senat auf das KLIK gestoßen, meinem kleinen Punkerladen, mit dem ich immer noch in engem Kontakt stand. Man wollte den 3 Sozialarbeitern dort, die sich ohnehin schon 2 Vollzeitstellen teilten eine Summe, die weit unter der Hälfte des Jahresgehaltes vom BVG-Manager stand und ungefähr 1% des Jahresgehaltes vom Deutschen Bank Vorstand ausmachte, nicht mehr gönnen. Selbstredend mußte vom dem Geld auch noch die restlichen Ausgaben des Ladens bestritten werden, der pro Jahr ca. 5000 mal von 600 verschiedenen Besuchern aufgesucht wurde. Eine kleine Stiftung, die bislang in besondern kritischen Augenblicken noch immer unterstützend unter die Schulter gegriffen hatte, konnte die entstehenden Kosten unmöglich auffangen.So etwas konnten wir uns natürlich nicht bieten lassen.Wir luden die Presse in unser kleines Domizil ein, und zogen mit einer entschlossenen Demo kurzerhand vor das Rote Rothaus. Mit einem Marsch durch die Innenstadt, wie es sich eben so gehört, wütende Parolen rufend, gegen den Kürzungswahn des Senats, alle waren wieder einmal aus ihrem zuständigen Jobcenter gekrochen und hängten ihren Mischlingskötern irgendwelche Transparente um den Hals, damit sie selbst die Hände freihatten, um Molotowcocktails auf die zahlreich anwesende Polizei werfen zu können. Oh nein, pardon, da ging nur wieder einmal die Fantasie mit mir durch, es reichte dann doch wieder nicht zu mehr, als sich einmal genüßlich im Schritt zu kratzen und die Fäuste in den Himmel zu ballen.

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