Archive for the ‘Proteste’ Category
Neuigkeiten Hamburg, Klimakiller Vattenfall, Baum-Haus-Bürobesetzungen, Antideutsche Zustände und alle mal wieder ausgesperrt bzw. eingesperrt.
Dezember 29th, 2009 Posted 3:18 pm
„Klimapolitik heißt für uns: nicht warten, dass die Mächtigen auf Konferenzen die Welt retten, sondern vor Ort handeln. Deshalb stellen wir uns hier und heute den Klimasauereien von Vattenfall in den Weg“,
sagt ROBIN WOOD-Baumbesetzerin Cécile.
Der Energiekonzern Vattenfall will eine rund 12 Kilometer lange Fernwärmetrasse bauen, die vom neuen Kohlekraftwerk Moorburg quer durchs Hafengebiet und Altona bis nach Diebsteich führen soll. ROBIN WOOD
fordert einen Verzicht auf die Trasse, einen Baustopp für das Kohlekraftwerk Moorburg sowie einen grundlegenden Wechsel in der Energiepolitik der Stadt: weg von extrem klimaschädlichen
Großkraftwerken in der Hand marktbeherrschender Konzerne hin zu dezentralen Strukturen auf Basis erneuerbarer Energien. Der Bau der Trasse ist zudem ein Paradebeispiel dafür, wie die Stadt Hamburg Rechte von AnwohnerInnen bei der Planung großer Bauvorhaben missachtet, einseitig Wirtschaftsinteressen berücksichtigt und städtisches Grün vernichtet.
Vattenfall baut derzeit im Stadtteil Moorburg ein 1.600-Megawatt-Kohlekraftwerk. Über acht Millionen Tonnen Kohlendioxid wird diese Dreckschleuder künftig Jahr für Jahr in den Hamburger Himmel
blasen und damit das Klima doppelt so stark belasten wie der gesamte Straßenverkehr in der Hansestadt. Anstatt das alte Heizkraftwerk Wedel durch ein modernes 800-Megawatt-Gaskraftwerk zu ersetzen, hat sich der Konzern für ein doppelt so großes Kohlemonster an die Elbe entschieden – und vom schwarz-grünen Senat dafür grünes Licht bekommen. Trotz der an sich sinnvollen Fernwärmeauskoppelung wird dieses Kraftwerk nur einen Wirkungsgrad von maximal 60 Prozent erreichen und damit wesentlich
ineffizienter arbeiten als ein modernes Gaskraftwerk. Ohne die Fernwärmetrasse ließe sich das Kraftwerk Moorburg nicht rentabel bewirtschaften. Die Trasse ist somit die Achillesferse des Riesen
Vattenfall.
Mehr als 9 Millionen Tonnen CO2 soll das im Bau befindliche Steinkohlekraftwerk Moorburg jährlich in Hamburg emittieren. Das finden Initiativen und ROBIN WOOD unzeitgemäß und fordern ein Ende des Projekts. Durch den Gählerpark soll die sogenannte Moorburgtrasse gebaut werden, eine Fernwärmeleitung und gleichzeitig die Achillesferse des Bauprojektes.
Dazu erklärt Olivia, eine der Anwohnerinnen, die seit dem 3. Dezember eine Eiche im Park besetzt: „Wir setzen hier ein Zeichen gegen die lebensverachtenden, profitorientierten Pläne über unseren Lebensraum, die Politik und Vattenfall ohne Bürgerbeteiligung durchboxen wollen. Es ist Zeit, uns gemeinsam stark zu machen für die Dinge, die schön und lebenswert sind in unserer Stadt Hamburg.“
Daniel H. von ROBIN WOOD weiter: „Die Politik hat in Kopenhagen versagt, es ist notwendig, eine Klimabewegung von unten zu schaffen. Jeder und jede kann etwas tun, z.B. zu einem Ökostromanbieter wechseln, da geht das Licht nicht aus, dies ist einfach und spart pro Person mehr als eine Tonne CO2.“
Für die Trasse soll eine neun Meter breite Schneise durch den Grünzug Altona geschlagen werden. Entlang der Trasse sollen rund 400 Bäume gefällt werden, für die es vor Ort keinen angemessenen Ersatz geben wird. Trotz dieses massiven Eingriffs sind weder BürgerInnen noch Naturschutzverbände an der Planung beteiligt worden. ROBIN WOOD hält dies – ebenso wie der BUND Hamburg, der dagegen Klage eingereicht hat – für rechtswidrig. Das Verwaltungsgericht Hamburg will eine erste Entscheidung voraussichtlich am 15. Januar treffen.
Die BaumbesetzerInnen freuen sich über Besuch und Unterstützung in Form von heißen Getränken, warmen Essen und Aktionsideen.
Posted in Direkte Aktion, Energieversorgung, Freiräume, Klimaschutz, Kongresse, Camps und Vernetzung, Kunst, Privatisierung, Proteste
Ein Kessel(n) Bunte(S)
Dezember 14th, 2009 Posted 5:36 pm
Was die vergangenen Tage in Kopenhagen stattfindet, ist eine Demaskierung und Demontage jeglichen demokratischen Grundverständnisses. Je weiter wir im Spätkapitalismus fortschreiten, desto weniger Energie können die Mächtigen eben für die Schein-Maskerade verschwenden, mit denen sie uns in Vergangenheit noch einlullen wollten.
http://de.indymedia.org/2009/12/268635.shtml
http://de.indymedia.org/2009/12/268672.shtmlUm auf die stattgefundene Repression auch hier in Berlin nochmals aufmerksam zu machen und um Solidarität mit den noch in Kopenhagen befindlichen Demonstranten_innen zu bekunden, treffen wir uns am Dienstag den 15.12.09 um 15h an der Weltzeituhr am Alexanderplatz. Dort wird eine Demonstration inszeniert, zu der wir unsere Pozilei auch gleich selber mitbringen. Konkret soll dieser kreative Protest in Form eines Straßentheaters unsere Interpretation des staatlichen Umgangs mit Demonstanten_innen in Szene setzten. Mit Übergriffen seitens unserer Pozilei ist daher wohl zu rechnen.
Es wäre schön wenn ihr dafür bunte, schwarze und/oder grüne „Bullen-Klamotten“ anzieht, bzw. mitbringt, je nachdem wen ihr lieber spielen möchtet. Aber denkt dran, es können nicht alle die Guten sein, wir brauchen auch Pozilei. Selbst gebastelte Schweinenasen (Fuck all Pigs!) aus Eierkartons, Kabelbinder für die „Festnahmen“, Kochlöffel-Schlagstöcke und ähnliches mehr, können das optische Erscheinungsbild der Darbietung nur verbessern. Seitens der „Demonstranten_innen – Darsteller_innen“ können Trillerpfeifen, Kochgeschirr und Ähnliches den Geräuschpegel für die Aufmerksamkeit auf unsere Aktion nur steigern, Transpis und Schilder mit eventuellem Bezug auf Kopenhagen sind auch gern gesehen. Eurer Kreativität sind unsererseits keine Grenzen gesetzt!
Wer Lust und Zeit hat an der Herstellung der Requisiten für die geplante Performance mitzuwirken, ist herzlich eingeladen am Montag, den 14.12.09 ab 16h im New York/Bethanien vorbeizuschauen.
In diesem Sinne Soligrüße nach Kopenhagen! Freiheit für alle Gefangenen!”
Posted in AgrarKULTUR, Direkte Aktion, Klimaschutz, Kongresse, Camps und Vernetzung, Politik, Proteste, Repression, Ziviler Ungehorsam
Neuigkeiten
Dezember 9th, 2009 Posted 6:48 pm
Schimpf, Schande und Schmach auf mein Haupt, hier tut sich ja gar nichts mehr.
In den letzten 2 Monaten habe ich kaum was brauchbares für die Seite produziert, was daran liegt, dass ich soviel im “Real Life” mache. Ich habe ja die letzten 2 Monate in Berlin verbracht und bin mal wieder nur von einer Seite zur anderen gewirbelt, nebenbei hatte ich auch noch 6 Lesungen. Politisch gesehen ist auch soviel passiert, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich als erstes schreiben soll. In Berlin wurde z.B. die Brunnenstrasse 183 mit Umsonstladen geräumt ( der erste seiner Art, den ich jemals gesehen habe. Rest in Un-Peace!), und neben ein paar Kreativaktionen und Spontandemos geht es seitdem geht in Berlin heiß her, im wahrsten Sinne des Wortes. Es brennen vermehrt Autos, auch Polizeiautos und es fliegen Farbbomben, auch aufs BKA. Es wäre natürlich interessant, darüber einen Artikel zu schreiben, denn das Thema ist weitaus komplexer als es auf den ersten Blick scheint. “Ihr habt den Termin bestimmt, wir bestimmen den Preis” die Losung dieser Tage.
Seit Jahren brennen in Berlin Autos und fliegen Farbbomben, ob es in letzter Zeit wirklich mehr geworden sind, oder nur mediale Aufmerksamkeit sei dahingestellt. Zum einen scheint es ja im Interesse der Leute zu sein, das ihre Aktionen medial gewürdigt werden. Zum anderen ist auch zu beobachten, dass es verstärkt ( zufällig vor Kopenhagen?) zu einer Hetzkampagne gegen” Hasszündler”, Linksextreme usw. kommt. Vom Berliner Innensenator werden sie schon mal wieder mit rotlackierten Faschisten verglichen. Die Motive hinter den Anschlägen auf Stehzeuge kommen in der Presse fast nie zur Sprache. Gentrifizierung, die neoliberale Umgestaltung, und wachsende Repression in den Städten betrifft uns alle und die meisten von uns in negativer Art und Weise.
In Kopenhagen wird derzeit die Repressionsmaschine angefahren. Gestern nacht kam es schon zu einer Hausdurchsuchung eines Hauses, in dem viele UmweltaktivistInnen sich auf den Gipfel vorbereiten. Da scheint es nur zu passen, in den Köpfen der Leute das Bild vom enthemmten, gemeingefährlichen Linksautonomen zu zeichnen, den man mit jeglicher Repression überziehen kann. Er kann schließlich froh sein, dass die Todesstrafe in Dänemark (derzeit) abgeschafft ist. Links = böse und wer hinterfragt da noch, ob es sein kann, dass in unserer tollen Demokratie mal eben Sitzblockaden zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe dienen können, so wie es ein neues Gipfelgesetz in Kopenhagen vorsieht?
Abgesehen davon kommen auch in Berlin immer mehr Leute einfach so in den Knast, da die Polizei unter Ermittlungsdruck steht. Es gibt mehrere fragwürdige Festnahmen in den letzten Monaten, wo Menschen in der Nähe von brennenden Autos festgenommen wurden, die damit letztendlich überhaupt nichts zu tun haben, außer, dass sie vom VS der linksextremen Szene zugerechnet werden.
Ein besonders krasser Fall ist der von Alexandra. Sie wurde in einem Späti festgenommen, von der bürgerlichen Presse beschimpft und auseinandergenommen, war mehrere Wochen in Untersuchungshaft. Als Beweis dienten Grillanzünder bei ihr zuhause, auch noch andere, als bei dem abgefackelten Stehzeug gefunden wurde. Letztendlich reichte das aber nicht mal unseren Gerichten und sie wurde freigesprochen. Dazu muss man auch noch sagen, dass dies nicht alleine der Verdienst eine tollen Solidaritätsgruppe ist, die sich für sie eingesetzt hat. Solidarität lohnt und ist vielleicht im Moment das wirkungsvollste, was wir den Herrschenden entgegen stellen können. Denn allein machen sie dich ein, und das gilt immer mehr.
Nun, also darüber könnte ich schreiben, aber ich will auch nicht immer nur Berlin-Nabelschau betreiben. Schließlich ist das Motto mutig-mutig und nicht berlin-berlin.
Gerade in der Provinz bedarf es Mut sich dem alltäglichen Wahnsinn zu widersetzen. Da habe ich auch noch was zu einem kreativen Prozess in Bad Oldesloe wegen einer Militärblockade. Nicht der Prozess war kreativ, sondern die Leute, die Anti-Repression betreiben.
Außerdem wollte ich noch was zu Kopenhagen schreiben, aber das ist so komplex, dass ich wieder mal zuviel denke und zuwenig schreibe. Ich habe in den letzten Wochen mich sehr intensiv mit Kopenhagen, dem “grünen” Kapitalismus, Klimaflüchtlingen und anderen Dingen beschäftigt.Zuviel Information ist manchmal auch nicht gut, denn ich kann gar keinen einfachen Text mehr schreiben.
Werde ich aber probieren. Social change instead of Climate Change. Der UN-Gipfel ist kein Klimagipfel, sondern ein Finanz und Wirtschaftstreffen, auf dem die Karten neu gemischt und grün lackiert werden sollen. Je tiefer ich in Emissionshandel, in RED (Inwertsetzung von den letzten Urwäldern der Erde), CDM (Clean Development Mechanism, Freikaufprogramm für Umweltverschmutzer und Menschenrechtsächter) eintauche, desto mehr kommt mir das kalte Kotzen. In Kürze möchte ich das mit euch teilen. Alles weitere für Kurzentschlossene und Alternativinfojunkies:
http://www.gegenstromberlin.net/
http://nevertrustacop.org/Deutsch/Aufruf
http://www.climate-justice-action.org/
Auch im Bereich Pharma/Gentechkonzerne gibt es mal wieder eininge News und auch die Schweinegrippeimpfung hätte hier auch noch etwas Raum verdient. Wieder einmal wurde neuer Genmais in Europa durchgewunken, übrigens von unserer achsokritischen Frau Aigner, die noch im Frühling erkannt hatte, wie gefährlich Genzeugs ist und sich negativ auf die Biodiversität auswirkt.
Zur forcierten Demokratie in Irland habe ich auch noch was, nämlich zu den Lissabon-Verträgen und wie es letzlich zu dem “Ja” im 2. Anlauf der WIDERSPENSTIGEN Iren kam.
Weiterhin wird in den Niederlanden vermutlich ab Januar das Squatten verboten sein. Eine schöne Gelegenheit, meine alten Texte zu veröffentlichen, die ich 2006, als ich dort in den quirlig-bunten Squatterszene gelebt habe, geschrieben habe. Natürlich lassen auch dort die Aktionen nicht auf sich warten und wer reisefreudig ist und nach Dänemark auch noch ins Land der Käsefüße und rechtsdrehenden PolitikerInnen reisen will, wird dort sicherlich freudig empfangen.
Und weil ich nicht immer nur kotzen möchte, sondern auch mal was kleines, nettes, konstruktives machen möchte, werde ich noch über die Transition Town Bewegung schreiben, bei der er im Rahmen des Monats “Ernährung” tolle Vorträge gab, zum Beispiel über Community Supported Agriculture und Nicht-Kommerzielle Landwirtschaft und auch ein Gästebuch habe ich angelegt. Zudem gibt es einige neue Artikel in Zeitungen von mir, über mich, in denen ich wie immer dasselbe erzähle, oder auch mal was neues?
Die Spannung steigt, die Spannnung bleibt, herein spaziert meine Damen, Herren und Sonstdefinierten, das Klimacasino hat geöffnet und die wilden Vögel fliegen.
Wütend schreiten wir voran!
Posted in Direkte Aktion, Ernährung, Freiräume, Kongresse, Camps und Vernetzung, Militarismus, Politik, Proteste, Repression, Ziviler Ungehorsam
Klimaaktion 350.org
Oktober 22nd, 2009 Posted 1:50 am
Weltweit rufen am kommenden Samstag ca. 5000 Initiaven dazu auf, den 350-Aktionstag zu begehen. Dahinter steht der Appell der BürgerInnen an führende PolitikerInnen bei den kommenden Klimaverhandlungen, besonders den Cop 15 im Dezember in Kopenhagen, ehrliche und zukunftsweisende Klimaschutzbestimmungen zu beschließen. 350.org steht für 350 parts per million Co2 Ausstoß ( die Million setzt sich aus anderen Gas-Teilchen in der Atmosphäre zusammen), der absoluten Höchstgrenze von Co2, dass weltweit noch ausgestoßen werden darf, um eine Klimakatastrophe abzuwenden.
Bis zum Anfang der Globalisierung betrug der Co2- Ausstoß ungefähr 275 ppm, was auch wichtig ist, denn ganz ohne Co2 Ausstrahlung wäre es einfach zu kalt auf der Erde, da Co2 und andere Treibhausgase dafür sorgen, dass ein Teil der Wärme in der Atmosphäre wieder zurückgestrahlt wird. Leider sind wir beim Verbrennen im Wirtschaftswachsumswahn ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen: Mittlerweile beträgt der Co2 Ausstoß schon ca. 387 ppm, und steigt jährlich um 2 ppm an.
Was zunächst wenig erscheint, könnte aber schon bald in einer Katastrophe enden, schließlich verläuft das Erhitzen des Planeten und seine Folgen nicht linear, schon jetzt sagen Wissenschaftler eine Art Dominoeffekt, der bislang noch nicht wirklich in seiner Schwere eingeschätzt werden kann für den Treibhauseffekt voraus, wenn die Polkappen weiter abschmelzen und das Weiß des Eises nicht mehr die Sonnenstrahlen zurückabsorbiert, sondern das dunkle Meer sie dankend absorbiert und sich somit noch weiter aufheizt. Gleichzeitig werden munter weiter die letzten Regenwälder der Erde für Sojaanbau (u.a. für die Gut- und Günstigen Discounterwürstchen bei Dir um die Ecke) abgeholzt, bedrohte Arten und ihre Tätigkeit für ein stabiles Ökosystem verschwinden, Moore werden entwässert für intensive Landwirtschaft ( Moor ist der größte Co2 Speicher der Erde) und Permafrostböden tauen ab und setzten das 25 mal aggresivere Klimagas Methan ab…. die Liste ist lang und erschreckend. Durch den wachsenden Wirtschaftsdruck wird zunehmend auf der ganzen Erde Raubbau parallel betrieben und kein Ende ist in Sicht. Oder eben doch?
Im Rahmen der Kampagne 350.org wollen weltweit bislang schon knapp 5000 Initiaven aus 171 Ländern an die führenden Politiker appelieren ernsthafte, verantwortungsbewusste Politk zu betreiben, und diese besonders auf der Klimakonferenz in Kopenhagen zu vertreten. Verantwortungsbewusst hieße in diesem Sinne, den Großkonzernen dicke Absagen zu erteilen, bzw. hohe und kostenintensive Umweltauflagen, ein zweifelhafter Emissionshandel wie Kioto, bei dem Zertifikate auch mal unter der Hand für umme an “führende Wirtschaftsunternehmen” ( Stichwort Standortfaktor!) verteilt wird, wäre dann jedenfalls nicht mehr drin. Um es nochmal deutlich zu sagen: Ein Ziel von 350 ppm wird eine große Herausforderung für uns alle sein und wir müssen uns zumindest in den westlichen Ländern alle einschränken, außer eventuell noch ein paar Omis und Opis, die sowieso immer Fast-SelbstversorgerInnen waren.
Doch nur mit Quecksilber-Elektrosmog-Leuchten (sog. Energiesparlampen) und Loha-mäßig shoppen werden wir den ppm noch nicht einen Punkt herunterbringen. Solange die Großindustrie nicht in ihrem Gebaren gestoppt wird, 29 neue Kohlekraftwerke geplant werden (u.a in Lubmin am empfindlichen Ökosystem Greifswalder Bodden), Gentechnick grünes Licht gegeben wird, Atommeiler länger läufen dürfen ( nein, die sind nicht Co2-frei, oder wächst Uran einfach so am Rasen neben dem Kraftwerk?) solange Vattenfall Naturschutzgebiete abbaggern darf, mit Müll große Geschäfte gemacht werden können und es billiger ist, einen Becher Joghurt in 6 verschiedenen Ländern herzustellen und herumzukarren, bevor er im Supermarkt steht, solange sind all die Umweltbildungsangebote nur halbherzige Blendware.
Man kann die 350.org Kampagne auch naiv nennen, ein nettes Medienspektakel und Obrigkeitshörig, denn wieder einmal wird nur an die Regierenden appeliert, dass sie es für uns richten werden und müssen, ohne per se Kapitalismus und Herrschaftsstrukturen eine Absage zu erteilen. Auf der anderen Seite spricht die Kampagne aber Menschen an, die bislang vielleicht nicht politisch aktiv waren und sich der offenen Struktur wegen endlich einmal herantrauen, um ein gemeinsames relativ einfaches Ziel anzupeilen und gemeinsam mit dem Rest der Welt ein Medienecho zu erlangen ( in einigen Orten läutet 350 mal die Kirchturmglocke, auf den Kapverden (trockene Insel im Atlantik, potenziell Dürre und Überschwemmungsgefährdet) gibt es eine Ökorally, bei der an die TeilnehmerInnen eine trockene Pflanze in die Hand bekommen und dann in der Stadt nach Klimaanlagen suchen müssen, mit deren Kondenswasser sie die Pflanze wieder zum Leben erwecken sollen, in Portugal werden 350 Bäume in einem Dorf gepflanzt, 350 Leute fahren mit dem Fahrrad durch Porto, in der Mongolei will eine Gruppe mit 350 Wartenden der Transibirischen Eisenbahn an einer Umsteigestation über 350 ppm sprechen, in Nigeria gibt es ein Seminar zum Thema “Islam und Klimawandel” usw. usf.
Die Kampagne setzt kreative Energie frei, die die Menschen in Zukunft noch öfters gebrauchen werden, denn natürlich glaubt (fast) keiner an einen plötzlichen Systemwandel in Kopenhagen. Zudem haben durch den breiten Aufruf, der einmal nicht eurozentrisch war, auch viele NGOs in Ländern Auftrieb bekommen, in denen Klimaschutz bislang kein großes Thema war. Tausende von Menschen werden sich erstmals bewusst für das Klima einsetzen. Ein Zeichen wird es allemal sein, und bestimmt nicht das letzte.
Vor Kopenhagen braut sich was zusammen. Am 26.09. wurde z.B. ein Kohlekraftwerk von Vattenfall in Kopenhagen von 1500 Aktivistinnen besetzt und vorsichtshalber abgeschalten…das nur so am Rande, es ging ja um was anderes….
und nun noch die Einladung zur Aktion in Berlin:
******************************************************************************************************************************
24. Oktober, 10:30 bis 12:30 Uhr: In einer spektakulären Castingshow am Brandenburger Tor wird unter 350 Merkels die wahre Klimakanzlerin gesucht! Der 24. Oktober ist weltweiter Klima-Aktionstag mit über 3.000 Events – Die Klimapiraten wollen das größte in Deutschland veranstalten.
Dazu benötigen sie 350 Angela Merkel-DarstellerInnen! Und jeder kann, darf und soll dabei sein. Das wiederum geht ganz einfach: Hingehen und die Klimapiraten stellen die Merkelmasken und führen Regie. Für den Abend wird dann zur großen 350.org-Party eingeladen.
Warum gerade 350? Laut den Klimapiraten ist 350ppm (parts per million) die nach derzeitigem Stand der Wissenschaft verträgliche Grenze der CO2-Konzentration in der Luft, wenn die Klimakatastrophe noch verhindert werden soll. Diese Zahl soll, so die Aktivisten, jetzt in die Köpfe der Politiker.
Gesucht: 350 Angela Merkels für Aktion am Brandenburger Tor!
Anmelden für die Aktion könnte ihr euch bei Jonas Ecke: j_ecke[at]yahoo.com.
**************************************************************************
350.org (mit Aktionskarte zum Mitmachen)
die KlimapiratInnen ( Klimakampagne für die Zukunft und das Leben mit Segel auf Kopenhagen und Säbel auf das Kohlekraftwerk Lubmin)
Ein Video zum “antriggern” hier.
Klimaemissonen selbst ersteigern
Posted in Direkte Aktion, Energieversorgung, Klimaschutz, Politik, Proteste
Neues aus vom Stadtumbau von Oben in Berlin
Oktober 20th, 2009 Posted 10:39 pm
Und wieder mal ein seit Jahren etabliertes, unkommerzielles Projekt bedroht. Das RAW-Gelände, dass von einem bislang recht nebulösen isländischen Investor in eine Art Pseudo Öko-Autofrei- Kultursiedlung umgebaut werden soll ( aber Vorsicht: Ein Investiment muss sich längerfristig rechnen, vorbei also mit unkommerziellen Angeboten, die sich an alle Bevölkerungsgruppen richten und nicht nur an gutverdienende (C)O2 World-Mediespree-Seifenblasen-Atomkraftwerk-Architektur-ach so wichtige Medienmacher, die seit Jahren in den traditionsreichen Kiez schwemmen und ihn nach und nach gentrifizieren. Ein bisschen Latte Mach aufm Dach trinken und der S-Bahn hinterherschauen- ist ja alles so schön bunt hier und wir können uns es leisten. ein paar Demos ab und an durch den Kiez lässt Knisterstimmung aufkommen, schließlich hat man ja gehört, dass HIER das wahre UNDERGROUNDleben tobt. Für soft-Revolutionäre und weichgespülte Kulturschaffende, die den Status Quo zementieren und nicht hinterfragen wollen, damit sie ihre sehr wichtige Arbeit nicht verlieren, bietet sich eine solche Nutzung des RAW Tempels geradezu an.
Abgesehen davon, dass das RAW-Gelände sowieso schon grossteils recht kommerziell genutzt wird und vor ein paar Jahren auch schöner war ( mit Garten und ohne Zaun um Besitzpfründe abzustecken) sehen sich jetzt eben gerade die RAW-Tempel e.v. Leute mit räumungsklagen konfrontiert, dass sind die, unter derem Dach sich ein Wohnhaus, das Ambulatorium (Lesungen, Kleinkunst, Vokü), der Zirkus Zack und das selbstverwaltetet Stoff und Gerätelager mit den Trainingsräumen für Źirkuskünste befindet. sie sind es auch, die sich kommerziellen Bebauungsplänen am meisten widersetzten, “mit den anderen könne man (Investor) ja reden”
Die RAW-Tempel Leute haben bis zum nächsten Wochenende einen Infowagen an der Revalerstrasse aufgestellt, an dem BürgerInnen und AnwohnerInnen ihre Träume für das Gelände kurz skizzieren können, die werden dann ausgewertet und an die BVV weitergeleitet.
Weiter geht es im Friedrichshain in die Rigaerstrasse. Hier tobt immer nooh der Kampf zwischen der Liebigstrasse 14 und dem Kinderschutzbund, dessen Unnaer Geschäftsführer Edwin Thöne ebenfalls die Eigentumsrechte am Objekt “erworben” hat. Die Liebigstrasse hat bis auf einen Mietvertrag ( Verhandlungsterminh 13.11) alle Mietverträge schon verloren. Ein 20 Jahre altes Projekt mit Infoladen, Kneipe, Schutz und Rückzugsraum in einem von immer mehr Naziübergriffen geplagten Kiez steht kurz vor dem aus . Besonders skandalös: In dem Haus wohnen 3 Kleinstkinder. Der Kinderschutzbund hilft eben immer nur denen, bei denen es ihnen in den Kram passt. Manche Menschen ( und deren Kinder) sind eben mehr wert, andere weniger. Erstaunlich ist hier die bundesweite Solidarität von Unna bis Chemitz, von Freiburg bis nach Neubrandenburg gab es schon soliaktionen, der Kinderschutzbund wurde belagert und seine Seite ging überraschenderweise ebenfalls offline. Selbst wenn sie den Räumungstitel haben, stellt sich die Frage, wieviel Imageschaden der Laden vertragen kann. Haltet die Augen offen für Aktionstage
Ein anderes Haus, die Rigaer 84 wurde eher schnell und schermzlos geräumt, kurz vor dem G8 Gipfel 2007 brach ein Feuer im Dachstuhl aus, von den Massenmedien als Ursache wurde die angebliche Hanfplantage und ihre Beleuchtungsröhren beschuldigt. Mit sehr viel Glück kamen alle Menschen im Haus mit dem Leben davon. Der Eigentümer, der schon seit Jahren nach Motiven für eine schnelle kostenintensive Sanierung suchte, schlug danach gleich zu. Das Haus, in dem es einst einen Veranstaltungsraum und die legendäre Kneipe “Kellerloch” gab, ist jetzt ein geischtsloses Yuppiehaus wie jedes andere, dessen Not-in-my-backyard AnwohnerInnen sich gegen jedes Konzert im angerenzenden Fischladen wehren und die Polizei rufen.-
In Mitte dagegen, am Rosenthaler Platz hat sich bislang der Widerstand gegen die Räumung der Brunnenstrasse 183 gelohnt. Im Vorderhaus liegt der weltberühmte Umsonstladen. Nachdem die ursprünglichen BewohnerInnen wegen eines Räumungstitel nach jahrelangem Rechtsstreits ausgezogen sind, haben sich im Juni neue BewohnerInnen gefunden, die das Haus, seine kulturelle und soziale Wichtigkeit in diesem Kiez verteidigt haben wissen wollen. Sie suchen noch Mitstreiterinnen, Platz ist genug da, auch wenn es jetzt im winter eher ungemütlich ist, da schon elektroleitungen und Sanitätanlagen herausgeschlagen wurden. Viele besetzte Häuser waren aber in ähnlichen Zustand und konnten durch vereinte Kraft instandgesetzt werden. Besser als jede Gas-Wasser-Scheiße-Ausbildung!
Zuschlechterletzt ist auch noch der Wagenplatz “Schwarzer Kanal” mal wieder räumungsbedroht, nach 20 Jahren Bestand. Bis 2002 war er gegenüber von der Köpi, da wo jetzt die hässliche Verdi-Zentrale herumposen muss ( als ob es nicht genug Leerstand von Büros gäbe, aber die Gewerkschaftsbonzen brauchen schon den besonderen Blick auf die Spree.) Der Platz zog dann um, ein Stück weiter in die Michaelkirchstrasse in eine unwirtliche Gegend zwischen Bürokomplexen und Vattenfall. Der Platz gehört mit den Nachbargrundstück HochTief, die das Gelände mit der Auflage vom der bundesanstalt für Immobilien erworben hatte, das Nachbargrundstück bis 2010 zu bebauen. Da sich kein Investor findet und die Stimmung gegen Mediaspree in der Bevölkerung sowieso schlecht ist, bebauen sie das Grundstück nun mit einem eigenen Bürogebäude, für das sie noch keine MieterInnen haben und vermutlich sowieso größtenteils leerstehen wird, wie der Rest von Bürogebäuden in dieser Ecke. Der Skandal, dass die Stadt wie immer nichts für die kulturellen Projekte tut, die seit Jahrzehnten ihre Sinnhaftigkeit und Wichtigkeit beweisen ( und indirekt auch zum Image Berlins, für eine offene, bunte Partystadt beitragen, also sogar mehr Kohle in die Stadt bringen als all die langweiligen Büros) kompensiert sich noch dadurch, dass das Wagenplatzgrundstück nicht einmal bebaut werden soll, sondern als Baustofflager dienen soll. Ein Ersatzplatz wurde irgendwo im staubigen Marzahn angeboten, da die Grundstücke der Innenstadt nur noch an homophobe, geldstarke Personen und Unternehmen gehen dürfen, von denen die meisten noch nie mal ins Berlin gewohnt haben und es auch nur als eine Wertanlage betrachten.
Der queere Wagenplatz ruft vom 21.-25.10 zu “Queer and Rebel Actionsdays” auf.
Zuguterletzt will Berlin auch mal wieder mehrere Millionen im sozial-kulturellen Sektor einsparen. Allein in Friedrichshain 14 Millionen in der Kinder- und Jugendarbeit. Dran sind auch VHS, Büchereien, Altenpflege usw. usf. Partymeister Wowereit, der mit einer steilen Karriere bei der SPD zu rechnen hat, nachdem er Berlin weiter privatisiert, verschandelt, gegen den Willen der Bürger hat, mit Steuer und Geldgeschenken für Investoren (Flughafen, Mediaspree u.a.) aufwartet und gleichzeitig vor immer leereren Kassen steht. In Ermangelung anderer Schnapsnasen muss die Bundes-SPD um so einen flotten Kerl ja richtig glücklich sein.
Alleine die sinnentleerte Kampagne “Be Berlin”, verschleuderte 10 Millionen. Auf der anderen Seite werden systematisch selbstverwaltete Strukturen in denen eigenverantwortliches Arbeiten und Leben möglich ist, Freiflächen wie Nachbarschaftsgärten und interkulturelle Begenungsorte zerstört und öffentliche Einrichtungen, in denen 1000 ihrer Erwerbsarbeit nachgehen durch Kürzungen geschlossen. Das ist doch das eigentliche Image Berlins, und das geht vor die Hunde. Öffentliche Betriebe müssen nach den gleichen Profitdenken verwaltet werden, wie ihre privaten Pendants. Das S-Bahn Chaos ist ein besonders prägnantens Beispiel für Privatisierungswahn, wenn auch auf Bundesebenes, aber eben nur eines von vielen. Denn das Argument, dass neue Investitionen wie Media Spree und der kommerzielle Ausbau von Tempelhof mehr Arbeitsplätze bringen, ist völliger Humbug. gleichzeitig gehen in der freien Kulturszene tausende von Arbeitsplätzen vor die Hunde. Die Arbeitsplätze im multinational-kommerzialisierten Sektor sind sehr oft von prekärsten flexibilisierten Arbeitsbedingungen geprägt oder gar von Langzeit unbezahlten Praktika. Mit zunehmender Übernahme des Kultur und Sozialssektor durch grosse privaten Unternehmen sehen sich auch kleinere, traditonsreiche und öffentliche Versorger immer mehr unter Profitmaximierungsdruck und entlassen, stellen nur noch kurze Verträge aus. Dazu kommt auch noch die 1-Euro-Job Unterwanderung, die zwar die Arbeitslosenstastiken schönt und die Leute auf Trab hält um nicht gegen den Stadtumbau von oben protestieren zu können, aber längerfristig nur reguläre Arbeitsplätze zerstört hat. Die Agenda 2010 wurde ja auch von führenden Wirtschaftsvertretern wie Peter Hartz von VW vorangebracht. Und Menschen, die bislang in Berlin gelebt haben, weil sie sich ganz dem Leistungsdruck und Erwerbsarbeitsdruck entziehen wollten ( und teilweise auch konnten) und dafür unermüdliche Ehrenamtliche Arbeit geleistet haben, für diese einst freie Stadt, die kommen völlig unter die räder.
Deshalb müssen wir jetzt etwas dagegen tun und nicht daheim sitzen bleiben, weil das Wetter schlecht ist und der Busfahrer heute morgen unfreundlich war. Es gibt keine andere Stadt wie Berlin und auch in allen anderen Städten dieser Welt greifen Gentrificationsmechanismen um sich. Eine Flucht lohnt also nicht.
Zuguterletzt noch, finden natürlich immer noch die Koalitionsbelagerungen statt, am 17.10 gab es eine aktion gegen E-ON ( by the way schon den Stromanbieter gewechselt?-letzte Chance bevor uns Krümmel demnächst um die Ohren fliegt!) und derzeit laufen die antirassistischen Aktionstage.
Bald gibts auch mal wieder Nachrichten jenseits der Spreebauchnabelshow- versprochen!
Übersicht über bedrohte Projekte
Posted in Freiräume, Privatisierung, Proteste, Wohn/Kulturprojekt
