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Schweinegrippe- eine verdächtige Allianz zwischen Agrarindustrie und Pharmakonzernen

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Mai 4th, 2009 Posted 9:24 am

Adaptado de Don't Blame Us for Swine Flu (yuan2003); Permalink: http://www.flickr.com/photos/81475308@N00/3492270649

Folgenden Meinung zur Schweinegrippendebatte habe ich aus dem Portugiesischen übersetzt,adaptiert und an einigen Stellen ergänzt. Autor ist Gualter Baptista, Forscher der ökologischen Ökonomie und politischen Ökologie  bei CENSE in der Neuen Universität von Lissabon (http://ingenea.pegada.net)

Am 30.April hat die Weltgesundheitsorganisation, auf Druck von verschiedenen Ländern, angekündigt, den  Schweinegrippevirus in A(H1N1) umzunennen. Die Änderung  des Namens scheint zum Ziel zu haben, den wahren Hintergrund zu verschleiern, der Schweine und Vögel in intensiver Massentierhaltung in  eine Situation gebracht hat, in der ihr Immunsystem stark geschwächt und nur noch rudimentär vorhanden ist, wenn überhaupt.

Am selbem Tag aber, sind auch die Ergebnisse der genetischen Sequenz von einem Forschungsteam veröffentlicht worden, die dem Virus inneliegt.  Sie zeigen auf, dass die meisten der Gene, die dem Virus inneliegen, ihren Ursprung in anderen Schweine- und Vögelviren haben [1].

Vielleicht handelt es sich ja dabei um keinen Zufall, dass gerade die multinationalen pharmazeutischen Unternehmen und die des Landwirtschaftsbusiness (als deutsches Beispiel fällt einem dabei sofort Bayer ein) sich so nahe stehen und sowohl als Ursprung als auch Lösung für die Pandemie präsentiert werden.  Nach einer Studie der Vereinigung von besorgten Wissenschaftlern, werden 70% aller in den USA für Tiere verwendeten Antibiotika nicht für therapeutische Zwecke eingesetzt, soll also heißen, sie werden “vorbeugend” gegen Krankheiten bei Tieren eingesetzt, die schon von Haus ( oder von Tierfabrik) aus, gar nicht mehr gesund sein können, sei es, weil sie unter komplett unzureichenden und inhumanen Bedingungen gehalten werden, sei es aufgrund der Abwesenheit von genetischer Vielfalt, da für die Tierfabriken nur einige wenige, auf schnellen Fleischaufbau gezüchtete Rassen ausgewählt werden.

Landwirtschaftsbusiness und die Pharmakonzerne stellen ganz offensichtlich einen Industriekomplex dar, der  in beiderseitiger Abhängigkeit wohlgedeiht. Das Landwirtschaftsbusiness braucht pharmazeutische Erzeugnisse, um seine fortschreitende Produktionsintensivierung voranzupeitschen, die Pharmakonzerne verdienen sich nicht nur damit eine goldene Nase, nein, vielmehr profitieren sie auch noch von den medialen Wellen, die bei jeder neuen Seuche, Grippe und anderen fiesen Krankheiten hochschlagen. [2] Tatsächlich kommt man billiger damit, die Tiere mit Antibiotika vollzustopfen und sie unter Bedingungen zu halten, die neue Krankheiten geradezu heraufbeschwören, als sich um angemessene Haltungsstandards derselben zu kümmern.

Vor einigen Jahren, als ich anfing, in der akademischen Forschung zu arbeiten, habe ich mit Schweinehaltern aus Südportugal ein Projekt geplant, in dem es darum ging, ein Ökosiegel für Schweinfleisch zu entwerfen. Hier fiel auf, wie schwierig selbst einfach erscheinende Dinge umzusetzen waren, die den Schweinen das Leben etwas erleichtern sollten, wie z.B. Stroh als Lagerstätte zu verwenden, anstatt, dass sie sich, wie bislang auf Eisenstangen und Beton, die kurzen Beine in den dicken Bauch stehen mussten. Genauso wie der Verzicht auf das Herausreißen bzw. Abschneiden von Zähnen und Schwänzen, was in der industriellen Massentierhaltung dazudienen soll, dass sich die Schweine vor lauter Stress, den sie in ihrem engen Gitter, auf Eisenstangen ohne Tageslicht stehend zwangsläufig bekommen, nicht gegenseitig angreifen und sich die Bisswunden dann infizieren.

Offensichtlich waren diese Schwierigkeiten das Ergebnis der globalen “Ernährungs”industrie, komplett auf Gewinnmaximierung ausgerichtet, nicht etwa auf  Gewinnoptimierung.  Hier überlebt im Prinzip nur, wer es schafft, seine Betriebskosten auf ein Minimum zu reduzieren, was eine Massentierhaltung auf Mindeststandard begünstigt, komplett abhängig von einer multinationalen Großindustrie, die sie mit Futtermitteln, Chemiekeulen und Medikamenten eindeckt.

Der ganze Wirbel, der um die Schweinegrippe veranstaltet wurde, wurde ebenso in Frage gestellt, und das zu recht. Wenn man die Todesfälle, die mit der Grippe in Zusammenhang gebracht werden, mit denen von anderen Krankheitsbildern, wie der Tuberkulose[3], oder (Verkehrs)unfällen[4] vergleicht, sehen wir uns einer signifikanten Diskrepanz gegenüber, sei es in der medialen Aufmerksamkeit, die der Grippe zu teil wurde, sei es in der politischen und finanziellen Dringlichkeit, mit der das Problem in die Hände der Forschung der Pharmakonzerne übergeben wurde.

Im Endeffekt zahlt bei dieser unheiligen Allianz von Tiermisshandlung, Medikamentenmissbrauch und industrieller Landwirtschaft, der/die Bürgerin drauf, da hilft es dann auch nichts, wenn das Steak bei Penny nur 1,99 kostet. Die Rechnung ist ein wenig komplexer: auf der einen Seite leiden wir unter den Begleiterscheinungen der Massentierhaltung auf die Umwelt ( z.b. wenn wir in der Nähe einer Schweinefabrik leben, aber auch weil das Nitrat, Schwermetalle, Viren, Bakterien usw. sich in unserem Grundwasser, in unseren Bächen und Flüssen ablagern…da hilft es auch nichts vegan zu sein) und zusätzlich natürlich, wenn wir dieses Fleisch dann auch noch essen, denn auch wenn man als Vegetarier geneigt ist, Fleischessern mit einer gewissen Häme ihre Skandälchen zu gönnen, will man ihnen diese Giftcocktails dann doch nicht zumuten. Es wäre einmal interessant zu wissen, wieviele Milliarden Euro jährlich in die Behandlung von Krankheiten fließen, die durch Fleischkonsum, zudem noch aus Massentierhaltung, verursacht wurden.

Auf der anderen Seite wird das Geld, das wir von unserem Lohn abzwacken, für die Verträge verwendet, die die Regierungen mit den Pharmekonzernen aushandeln, um Antibiotika und Impfungen zu kaufen. Denen liegt natürlich nichts daran, etwas an den Ursachen zu ändern, solange diese lukrativen Geschäfte ihr Bestehen sichern und somit schließt sich der Teufelskreis, bei dem am Ende alle daraufzahlen( kaputte Erde, Epidemien etc), nur manche eben mehr, andere weniger. Einige schon jetzt, andere erst ein wenig später.

Im Moment sind es die reichen Länder und BürgerInnen, die ein patentiertes Antibiotika von einem der großen Pharmakonzerne kaufen können, die armen Länder oder nicht so betuchte Personenkreise gehen leer aus. Letztere leiden gleich doppelt( wie z.b. in Mexiko), weil sie nicht nur Opfer der Auslagerung der stinkenden und verschmutzenden Massenschweinehaltung, die niemand gerne neben seinem Haus hat, geworden sind, sondern weil es auch sie sind, die über keine Mittel und Wege, weder ökonomisch, noch als politische Einflussnahme, verfügen, um die Pandemie wirksam bekämpfen zu können.

Wir dürfen nicht tatenlos verharren, während wir daraufbauen, im “Ernstfall” Tamiflu von Roche, kaufen zu können. Es ist von Nöten, die wahren Schuldigen zu suchen und publik zu machen, nicht nur damit sie für die Schweinegrippe zahlen, sondern auch, um die fortschreitende Zerstörung der Weltgesundheit aufzuhalten, sei es Mensch, Tier oder Pflanze. Wenn Novartis eine Impfung entwickeln will und dafür Unterstützung haben will, so soll es wenigstens die industrielle Landwirtschaft und ihre Stellvertreter sein, die dafür zahlen und nicht der/die Steuerzahlerin. Vielleicht kommen sie dann ja irgendwann einmal auf die Idee, die Schweine mal ein wenig an die frische Luft zu bringen, denn ich habe die Alten immer sagen hören, dass das gut für die Gesundheit sein soll.

Anmerkung: Wer in Deutschland aktiv werden will gegen weitere Schweinereien, auf den/die wartet im schönen Mecklenburg-Vorpommern, in Alt-Tellin ein neues zuhause, dass er/sie sich großzügig ausbauen kann. Es geht hierbei um ein Haus, das AktivistInnen freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, um gegen die größte Ferkelzuchtanlage Europas, die dort direkt nebenan gebaut werden soll, vorgehen zu können.

http://schweinerei.blogsport.de

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Gendreck bleibt dieses Jahr in den Säcken

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April 14th, 2009 Posted 10:15 pm

Schneller als erwartet hat sich meine Frage von gestern: “Wo ist all der Gendreck hin?” beantwortet. Als ob ich es gerochen hätte oder einen Geheiminformanten hinter mir stehen gehabt hätte.

Heute ist natürlich ein Tag zur Freude, für Tausende von Anti-Gentechnik AktivistInnen, die in den letzten Jahren ihr Herzblut für ein Moratorium gegeben haben. Menschen von Bürgerinitiaven für gentechnikfreie Zonen, Menschen, die Ilse Aigner auf ihrer Promotiontour hinterhergereist sind und immer wieder in Diskussionen verwickelt haben, Landwirte, die immer wieder zu spektakulären Treckerdemos aufmachten, Leute, die gentechnikfreie Einkaufsführer herausgegeben haben, MultiplikatorInnen, die von Schule zu Schule reisen um kritisch über die grüne Gentechnik aufzuklären, Umweltverbände, die ihr ganzes Jahresbudget in Kampagnen gesteckt haben und waghalsige Aktionen hingelegt haben, Einzelpersonen, die des Nachts die Felder umgemäht haben, Leute, die vor Gericht ihr Recht auf zivilen Ungehorsam erstreiten, das Ehepaar von der Vita Activa Tour, die 8000 Kilometer durch Europa mit Kutsche unterwegs sind, um über die Gefahren aufzuklären, die Menschen vom Aktionsbündnis “Genfrei gehen”, die quer durch Deutschland wandern, mit dem selben Ziel, Biobauern, Imker, Kirchliche Verbände, mutige Wissenschaftler, die den “Unbedenklichkeitsstudien”, die die EFSA vorlegt, widersprechen und das Gegenteil beweisen können und so so vielen mehr müssen wir dankbar sein. Denn das Verbot ist ein großer Schritt, ein großes Signal, dafür, dass es doch noch Verstand und Hoffnung gibt! ( Böse Zungen behaupten allerdings, dass es nur um Wählerstimmen ging, sodass Aigner im Gegensatz zu Seehofer das Problem nicht einfach aussitzen konnte) Aber nein, heute wollen wir mal an das GUTE glauben und stellen fest:

Natur und Schmetterlingsarten sind wichtiger als ein Großkonzern. Und das in Zeiten der angeblichen Krise. Kann es sein, dass unsere PolitikerInnen doch langsam begreifen, dass wir und schon Jahrzehnten, wenn nicht sogar schon seit Jahrhunderten, spätestens seit der Industrialisierung in einer schweren Krise befinden?

Ein großes Signal, dass es doch noch so etwas wie Restdemokratie gibt, dass Initiaven von unten, dezentral und vielfältig in Aktions- und Erscheinungsformen die gesamte Menschheit betreffende Entscheidungen selbst in die Hand nehmen dürfen und nicht wie immer ein, zwei Großkonzerne über unser aller Gedeih und Verderb entscheiden dürfen.

Das war erst der Anfang, jetzt müssen auch noch die Experimentierfelder weg, danach die Atomkraftwerke, die Riesenstaudämme, die Monokulturen der Landwirtschaft, die Autobahntrassen, die Abwrackprämie…ich sag ja immer die sozial-ökologische Revolution kommt im August. Bis dahin ist auch Gendreck Weg noch aktiv, auch die laufen jetzt ja fast Gefahr arbeitslos zu werden. In Kitzingen jedenfalls wird es noch immer einen Saatguttausch geben und statt der Aussaat eine Jubeldemo. Danach wollen sie sich verstärkt den Experimentierfeldern widmen, deren es ja noch so einige in Deutschland gibt, Tendenz steigend.

Wo ist all der Gendreck hin?

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April 13th, 2009 Posted 12:28 pm

In den nächsten Wochen geht es wieder hoch her im Kampf gegen die Gentechnik, der zwar moralisch schon längst von den AktivistInnen gewonnen wurde, de facto aber eine immer größere Gefahr für die Bevölkerung und unser Ökosystem darstellt. Zwischen 70 und 80% der Deutschen sprechen sich mittlerweile gegen Gentechnik aus, Tendenz steigend. Auch viele Gentechnikbauern, die in den letzten Jahren Erfahrungen mit Genmaisanbau gemacht haben, sind jetzt wieder auf konventionell umgestiegen, da der vermeintliche finanzielle Vorteil entfiel, genauso wie höhere Ernten. Wobei konventionell auch auf keinen Fall eine zukunftfähige Anbauform ist, nur der Schaden sich noch eher begrenzen läßt. Auch bei den krassesten Monokulturen ohne Hecklandschaften und mit überdüngtem Boden und hochgiftigen Pestiziden und Herbiziden, kann man immer noch ( wenn die Menschheit mal zu Verstand gekommen ist) auf unseren Freund, die Zeit setzen, die es dann schon richten wird. Bei Gentechnik geht das nicht. Einmal eingekreuzt, ist Feierabend. Und zwar für immer. Was viele nicht wissen: Es kreuzt sich nicht nur Mais mit Mais, sondern auch die vielen Feldversuche sind eine große Gefahr. Hier kann z.B. der Genraps als Kreuzblütler auch mit Kohl- und Senfpflanzen, wie dem Blumenkohl, dem Radieschen usw. einkreuzen, die wir vielleicht in unserem kleinen Biogemüsegärtchen kultivieren, ganz zu schweigen von den Bestrebungen der Biotechbranche Genrasen zu kreeiren ( z.B. für Golfplätze) und Genbäume (z.B. für Papierherstellung)

Etliche Länder, unter anderem Griechenland, Polen, Schweiz und Österreich haben ein GMO-Moratorium, Frankreich hat 2008 ein solches auch erlassen, nachdem die Bevölkerung jahrelang mit teilweise spektakulären Aktionen dagegen Sturm gelaufen ist. Jose Bove ist wohl der bekannteste Vertreter der “Freiwilligen Feldmäher”, wie sie sich nennen. Interessanterweise mussten sich die Moratoriumsländer gegenüber der EU verantworten und wurden schon fast zur Rücknahme desselbigen gezwungen. Die Organe der EU, muss man wissen, werden von der EFSA (European Food Security Agency) beraten und regelmäßig mit “Unbedenklichkeitsstudien” gefüttert, deren Glaubhaftigkeit mensch durchaus anzweifeln darf. Man muss dazu wissen, dass die EFSA in den höheren Etagen nur so von Leuten wimmelt, die aus der Biotechbranche kommen und Studien bevorzugt im Auftrag der Biotechbranche von statten gehen und sich dadurch finanzieren. In Zeiten der knappen Kassen von Universitäten ist das nicht unerheblich.

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