Mutig Mutig!

Beispiele für eine gerechtere Welt

Aktuelles

6.05.10

Liebes Tagebuch,

ich habe jetzt wieder Zeit und Muße, öfters was in dich hineinzuschreiben. In letzter Zeit habe ich dich ja sehr vernachlässigt. Ich glaube, viele Leute, die dich gelesen haben ( Verfassungsschutz, Autonome und Kirchentagsgängerinnen, Spamordner) waren etwas enttäuscht, kein komplettes Gedanken und Bewegungsprofil mehr von mir zu haben.  Ich finde das auch sehr schade, denn es gab wie immer viele Dinge, die ich gerne mit dir geteilt hätte. Spannende Prozesse, die noch Leute zum Unterstützen gebraucht hätten, besetzte Genfelder, Camps und Kongresse, Aufrufe, Abrufe, Vulkanausbrüche und ein Himmel ohne Kondenzstreifen- leider kann ich das alles gar nicht mehr rekapitulieren.

Ich hoffe, aber, dass es in Zukunft auch noch so spannende Sachen gibt, und über die informiere ich dich und die anderen wieder.

Liebe Grüße

Silvia

11.01.10

Ich wünsche euch ein schönes neues Jahr. Ich habe meines am Jukss begonnen, was wie immer ein inspirierender Start ins neue Jahr war-  2010 aus Aktivismussicht bringt sicher einige spannende Momente für Täuschland. Etliche neue Autobahnen sollen gebaut werden, Gorleben wird noch immer erkundet und im Herbst rollt wieder ein Castor. Vattenfall hält an Kohlekraftwerken fest und die Atomanlagen sind auch noch nicht ausgeschaltet. FDP wird das Genmaisverbot rückgängig machen und neue Sorten durchwinken, auch auf EU-Ebene.

Sozialleistungen und Gesundheitsvorsorge werden massiv beschnitten und die sogenannte Krise geht voran, schließlich ist sie wie mensch so schön sagt: Systemimmanent. Die Bahn wird zumindest liberalisiert und vermutlich auch noch privatisiert und die Entsolidarisierung der Bürgerinnen schreitet voran, die EU Außengrenzen werden militärisch abgeschottet und der Rest der durchkommt, abgeschoben, Rassimus wächst und gedeiht…

doch muss es so wirklich kommen? Es liegt in unserer Hand…jedenfalls ein bisschen. Gendfeldbesetzungen im Frühling 2008 haben massiv Druck auf Landwirte und auch Politik ausgeübt, die u.a. zu einem kurzem Verbot 2009 geführt haben. Das nur so als Beispiel. Und in Hamburg besetzen bei Minusgraden, Schneestürmen immer noch Anwohnerinnen und sonstige engagierte Menschen die bäume in einem Altonaer Park um gegen die Moorburgtrasse und den Kahlschlag für ein Kohlekraftwerk zu protestieren. Etliche Unis haben den Weihnachtsferien getrotzt und sind noch immer besetzt… Mutig Mutig Und was ist dein Ziel für dieses Jahr?

Bitte vergesst nicht, ab und an was ins Gästebuch zu schreiben!

28.12.09

Das vermutlich anstrengenste Jahr meines bisherigen Lebens neigt sich dem Ende zu und fürs nächste Jahr gelobe ich mir selbst Besserung und Entschleunigung, was aber nicht einfach ist, denn schließlich, das haben wir ja schon gelernt, sind wir alle Teile der Gesellschaft und paradoxerweise haben gerade die, die workaholic und Ausbeutungsmentalitäten anprangern oft selbst am meisten zu tun und niemals Feierabend und erst recht kein Geld fürs SpaHotel. ( und wenn sie es hätten, würden sie eh nicht reingehen) Aktivismus ist der euphemistische Begriff für altruistische Selbstausbeutung auf höchster Stufe. So und nun muss ich mich entspannen. lalalala. bis 2011.

29.09.09

Lasst die Atomreaktoren knallen und bringt den Gen-Winterweizen aus!

Es ist geschehen, die FDP ist wieder ins Parlament eingezogen.

Allerorten betrübte Gesichter, von meiner Seite aus, keine große Überraschung. Die Zeichen der Zeit stehen auf Ellebogen und Schnäppchenmentalität und wenigstens ist Neoliberalismus nun Programm und muss nicht wie beider SPD schlecht getarnt werden. Wir brauchen lebendige soziale Bewegungen von unten, was angesichts von Turboleitungsdruck und Repression immer schwieriger wird und unter der neuen Regierung auch nicht erleichtert werden wird.  Aber nichts ist unmöglich. Als kleinen Hoffnungsschimmer möchte ich ein Buch, das jenseits von Regierungszyklen funktioniert vorstellen: “Halbinseln gegen den Strom” von Friedericke Habermann.

Das hilft gegen Koalitionsverhandlungen, kalte Herbstabende und Phlegmatismus, es “denen da oben” zu überlassen.

12.09.09

Möchte die Gelegenheit nutzen, hier einmal Werbung für ein sehr schönes Buch zu machen, dass einwenig im Stil von “Augen zu gilt nicht” geschrieben ist, aber weniger persönlich, dafür mit einer höheren und detaillerten Aktivismuskomponente. Hannah Poddig ist die Autorin von “Anleitung zum Andersein- Radikal mutig”.

Wird am 17.09 im Rotbuch Verlag erscheinen.

Sie war Aktivistin bei Robin Wood und ist seit Jahren in der Anti-Atom, Anti-Militarismus, Anti-Gentechnik und Pro-Gesellschaft-von-unten-verändern Bewegung zu wege und sieht sich als Vollzeitaktivistin.

Ich kann das Buch allen empfehlen, die mein Buch gelesen haben und mehr Hintergrundwissen zu den kurz angerissenen politischen Themen haben wollen, sowie auch allen Menschen, die mein Buch nicht gelesen haben:)

Ab Ende Oktober können Hannah und ich es uns auch vorstellen gemeinsam Lesungen mit Diskussionen rund um die Bücher herum zu geben. Immer her mit den Einladungen. Hannahs Buchpremiere ist am 21.09. im Clash im Mehringhof in Berlin-Kreuzberg. Hannahs Blog.

25. August 2009

Ein weiterer turbulenter Monat vorbei! Beseelt und voller neuer Aktionsansätzen ( emazipatorische Stillgruppe, Kinder Awarness Group,…ihr dürft gespannt bleiben!) nach dem Camp auf der Burg Lutter, bin ich mal wieder in Berlin gelandet. Dort wohne ich gerade mit einer Freundin und einem Baby zusammen und schaffen uns so ein bisschen mehr Freiraum für alle und den Kindern optimalen Start ins Leben mit dem sozialen Kompetenznetzwerk 2.0

Diesen Monat habe ich eine Ausbildung zur Stillberaterin bei der AFS (Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) angefangen, war mal wieder in Verden um meine Kommunikationskompetenzen in gewaltfreier Kommunikation und mit der Presse zu schulen, habe gefühlte 44 Spielplätze kennengelernt und ansonsten versucht, sooft wie möglich die heiße Stadt zu verlassen…fragt sich warum wir dann gerade hier wohnen…weil es einfach nirgendwo ( jedenfalls nicht da, wo ich schon war) so viel geballte Kreativität, Lebenslust, Widerstandsgeist und Aktionsmöglichkeiten für jeden Lebensabschnitt gibt, wie in Berlin… Es fühlt sich gut an hier zu sein, Ideen zu spinnen und sie wieder nach draußen zu tragen… in Lissabon jedenfalls habe ich mich selten zu irgendwas außer Essen und Schlafen inspiriert gefühlt.

Dennoch darf man nicht aus den Augen verlieren, dass das Sozialbiotop Berlin auch schon am umkippen ist. (War es das nicht eigentlich schon immer?) Letzter Schildbürgerstreich einer inkompetenten Stadtregierung ist der Beschluss, die A 100 durch Neukölln weiter durch Treptow zu bauen. Kleingärten werden plattgemacht, Wohnviertel zerschnitten und noch mehr Feinstaub in die Stadt gebracht, während der öffentliche Nahverkehr vor lauter Börsenverliebtheit gerade am Zusammenbrechen ist. Schade, dass es in Regierungskreisen so sehr an Weitsicht mangelt. Selbst im roten Rathaus müsste ja schon angekommen sein, dass sich das Zeitalter des Petroleums zu Ende neigt.

Dann bräuchten wir vielleicht ganz dringend nicht versiegelte Flächen. Ich spinne ja gerade immer so ein bisschen rum, was wir mit den ganzen Gebäuden im Post-Petroleum Zeitalter anfangen können. Ganz schwierig wird es bei der 02 Halle. Eventuell ein Erstaufnahmelager für Klimaflüchtlinge. Oder Getreidespeicher. Wenn ihr noch andere Ideen habt, bitte laßt mich daran teilhaben.

27.07.09

Bin seit ein paar Tagen auf der Burg Lutter im nördlichen vorharz und helfe mit das herrschaftskritische Kindercamp vorzubereiten. Stündlich trudeln neue Leute ein und es wird immer bunter, lauter und aufregender.

Ich freue mich auf die spannende Woche und neue Impulse für eine befreite Gesellschaft vom Lebensanfang an! Ich kann nur allen empfehlen noch schnell hierherzu kommen. Und ja, wer noch keine Kinder hat, der darf und soll kommen!!!

13.07.09

Habe heute in der Taz (jaja ich weiss, die ist auch nicht mehr was sie mal war…grünes Bürgertum…aber hey ihr TazkritikerInnen, habt ihr schon mal in nem Land z.B. Portugal gewohnt, wo es GAR KEINE Tageszeitung links von der FAZ gibt? Na dann….) also heute in der Taz habe ich einen sehr guten Leserbrief gelesen, den muss ich gleich mal abtippen.

Ich finde ja an der Taz sowieso die LeserInnen das Beste und daher auch die LeserInnenbriefe. ( und mich:P)

“Frecher Unesco eins auswischen”

Liebe Dresdner, liebe Sachsen, stimmt es eigentlich, dass ihr jetzt auch die Frauenkirche abreissen wollt und ein Parkhochhaus hinklotzen wollt? So könnt ihr doch (“wir sind das Volk”) 1. mal wieder die Demokratie verteidigen, 2. der unzumutbaren Parkplatznot ein Ende bereiten ( man kommt jetzt ja viel besser ins Zentrum), und 3. der frechen Unesco eins auswischen.

Danke Rainer von Kügelgen aus Hamburg und bitte, liebe Ölkrise, komme schnell um dem Wahn der Wohlstandsgesellschaft ein saftiges Ende zu bereiten.

12.07.09

Liebe BlogleserInnen, die noch immer diese Seite besuchen, trotz fast 3-monatiger Sendepause:

Da bin ich wieder mal auf meiner eigenen Seite gelandet und dachte mal, die müßte ich doch abdaten. Passiert ja auch immer soviel. Michael Jackson, das war schon komisch, so ein Typ, fast wie Helmut Kohl, man muss ihn nicht mögen, aber irgendwie war der IMMER da, solange ich lebe und jetzt isser plötzlich weg… ich denke, viele die getrauert haben, haben da auch um ihre eigene Vergänglichkeit getrauert.

Die systemimmanent Krise schleicht voran, auch wenn wir bei SommerStrandundEis davon jetzt weniger mitkriegen (wollen). Im Herbst gehts dann in die vollen! Wenn die neue/alter “Regierung” merkt, dass plötzlich ein paar Milliarden in der Portokasse fehlen, die mal schnell als Boni an Bankmanager verjubelt wurden. Die Automobilbranche wird es dan auch bald zerbröseln. Haben jetzt ja alle genug Autos. Also noch mehr Arbeitslose, die dann unsere ohnehin schon saubergeleckten Parks aufräumen können und in Sozialprojekten den letzten sozialversicherungspflichtigen Job streitig machen. Insgesamt wird der Sprit auch teurer, weil jetzt sogar die G8 gemerkt haben, dass wir und in den letzten Jahren ein bisschen zuviel abgezapft haben und wir die Reserven besser mal für zukünftige Generationen gelassen hätten, die besser damit umgehen können, anstatt Plastikspielzeug und Einwegtüten-tassen-teller-windeln-schürzen-löffel-flaschen usw. damit herzustellen. Wenn es dumm ausgeht, haben wir bald nicht mal soviel, dass wir noch Silicium aus dem Boden holen können und unsere tollen, neuen, 100% NACHHALTIGEN Solarparks in der gar nicht mal so menschenleeren Wüste aufstellen können. Letztendlich werden die neuen Autos gar nicht soviel gefahren werden und die tollen neuen Strassen, die jetzt allesamt dank konjunkturpaket nach weiter die Landschaft zu betonieren, gar nicht genutzt werden. Aber Weitsicht und Kapitalismus gehört halt nun mal nicht zusammen, das dürfen wir unseren EXPERTINNEN nicht verübeln, wenn sie sich solche tollen Dinge ausdenken.

Ich habe die letzten Monate auf einem Ökohof in Portugal verbracht und bin erst kürzlich wieder in Deutschland. Hier war ich Gast auf dem KlimaMachtFlucht Kongress, einem Vernetzungskongress zwischen sozialen und ökologischen Bewegungen. Ein sehr aufrüttelnder und schockierender Kongress, dessen Besuch vielen Menschen gut getan hätte, die a) der Meinung sind: Erstmal müssen wir uns Deutschen helfen, vor den Afrikanern, weil uns gehts ja so schlecht oder b) wir können den Afrikaner mit unserem Technologievorsprung den wir hier haben, total gut helfen und noch ein bisschen Entwicklungshilfe und dann ist wieder alles gut und die lassen uns dann auch in Ruhe

Dieser Gutmenschenansatz ist es auch, der mich an den Versprechungen der G8, wenn sie es denn auch wirklich umsetzen, ein wenig skeptisch läßt: Direkte Hilfe für die Landwirtschaft vor Ort, statt Lebensmittelexporten. Klingt ja erstmal gut, auf den zweiten Blick fällt aber auf, dass es gar nicht um familiäre Landwirtschaft geht, sondern eben auch darum, dass die Bauern vor Ort im großen Maße für ihr Volk produzieren sollen. Die “grüne Revolution“  für Afrika steht ja auch ganz oben auf der Agenda von Monsanto, Syngenta, Bayer usw. Gentechnik gegen Klimawandel, Atomkraft gegen Klimawandel und alle sind wir nun ÖKO (KAPITALISTEN). Bleibt also abzuwarten und skeptisch zu bleiben.

17.04.09

Das war wieder eine Thrombosendemo gestern in Erfurt. Kaum 10 cm weit gekommen, hat die Polizei dem Fahrer des Lautsprecherwagens einfach den Schlüssel abgenommen, Pfefferspray gesprüht und dann stand er da, und rund herum ca. 300 Leute. Und standen und standen und standen. Ziel und Sinn der Aktion war vermutlich die Demo solange aufzuhalten, bis die Geschäfte geschlossen hatten und die “wilde, kraftvolle” Demo auch auf keinen Passanten mehr trifft, der sich für die Belange der Leute interessieren könnte. Aber so unsympathisch und auch berechenbar die Strategie der Polizei war, genauso kann mensch den DemonstrantInnen den Vorwurf absoluter Kreativlosigkeit machen. Wenn vorne verstopft ist, dann kann mensch ja hinten raus. Dezentral und kreativ sind hier die Schlüsselworte zum Erfolg, genauso wie auch der Dialog mit den Normalbürgern nicht geschadet hätte, wenn mensch sich eh schon die Beine in den Bauch steht. Der Gros derer, wollte natürlich nur in Ruhe sein Pizza (fr)essen, traurig, wie abgestumpft der deutsche Bürger ist, neben Pfeffersprayattacken sich in seiner heilen Welt pseudo Sicherheit zu wähnen. “Ich geh doch auch arbeiten und davon zahl ich meine Miete” Solche Leute tun mir eigentlich nur leid. Die sind irgendwie noch in den 50zigern des letzten Jahrhunderts hängen geblieben. Mit zunehmender Wirtschaftskrise, Geldentwertung und steigenden Arbeitslosigkeitszahlen, einhergehend mit der Zusammenkürzung der sozialen “Sicherungs”systeme, werden sie sich bald umschauen. Vielleicht wären sie dann froh, wenn es noch bestetze Häuser mit Vokü gäbe. Aber Hochmut kommt vor dem Fall.

Ich jedenfalls nutzte die Gunst der langen Rumstehstunde um ebenfalls herumstehenden Polizisten aus meinem Buch vorzulesen, und zwar der Teil über die Sicherheitskonferenz in München, der sich fast 1:1 auf dem Anger in Erfurt wiederholte. Die Zeilen, dass “Pfefferspray irreperabe Erbgutschäden auslösen kann” und im internationalen Kriegsrecht der Einsatz verboten ist, aber innerlandes auf die Leute gesprüht werden kann, das hörten sie natürlich nicht so gerne.

Generell aber konnte ich ihr anfängliches Desinteresse doch noch in aktives Zuhören wandeln, sie müssen halt cool und unnahbar tun, die kommen halt auch schlecht aus dem Panzer, freuen sich heimlich doch aber über etwas Kultur.

Nun ja, ich bin immer noch auf der Suche nach einem Ausweichort für meine Lesung, die morgen eigentlich im besetzen Haus hätte stattfinden sollen. Die hauptsächlich hessischen Eingreiftrupps der Polizei konnten mir gestern jedenfalls nicht weiterhelfen.

3.04.09

Ich erLEBE gerade einen wunderschönen Frühling in einer Land-Kommune in der Thüringer Agrarsteppe und versuche hier vor Ort nicht nur von Alternativen zu reden, sondern sie auch gleich umzusetzen. Hier leben und arbeiten um die 20 Leute und 6 Kinder, manche kommen und gehen, andere sind schon seit Jahren da. Morgens um 8 gibt es eine Arbeitsbesprechung und man höre und staune, ich schäle mich sogar dafür um 10 vor 8 aus dem Bett. Muss auch nicht weitlaufen, nur ein Gehöft weiter. Dort werden dann Aufgaben des Tages vorgestellt und wer noch nichts zu tun hat, klinkt sich ein. Zur Zeit stehen die Bäume im Mittelpunkt. Sie werden veredelt, geschnitten und nun werden noch 1000 Jungbäume in die Agrarsteppe gepflanzt. Das ist bitter nötig, denn jahrzehntelange Monokultur hat hier das Ökosystem schon fast zum Erliegen gebracht, es gibt kaum noch Hecken hier, nur kargen Boden, der durch den unhaltsamen Wind immer weiter erodiert. Nun werden wir in einer Art Heizspirale Felder, die dem Projekt überlassen wurden, mit Bäumen bepflanzen. Zwischen den Baumreihen gibt es immer wieder Platz um Getreide, Gemüse oder Gründünger anzubauen und auch Platz für Wiesen und Weideflächen für Tiere. Multikultur statt Monokultur ist angesagt, mit resistenten, den lokalen Gegebenheiten abgepasstem Saatgut und jahrhundertelang erprobten Streuobstbaumwiesensorten.

Da steigen dann die Erträge auch wieder von alleine und wir sparen uns gleich den chemischen Dünger und den Knebelvertrag mit Monsanto, Bayer und Pioneer.

Die Leute vom Projekt sind schon über 5 Jahre unterwegs um heimische Obstbaumsorten zu finden und zu erhalten, genauso wie fast in Vergessenheit geratenes Saatgut. An die 1000 verschiedenen Sorten beherbergen sie in ihrer modernen Arche Noah. Ich gehe jetzt auch gleich mal raus, Bäume pflanzen.

27.03.09

Gestern Lesung im AKW in Würzburg, das Insolvenz anmelden musste. Wieder ein autonomer Laden weniger. Das geht jetzt ratz-fatz. In Erfurt wird der Topf und Söhne Squat den Leuten unter dem Hintern abgerissen, in Münster fuhr gestern den Leuten vom besetzen Infoladen einfach der Räumpanzer ins Schaufenster, und in Würzburg gibt es den gesitteten Rückzug.

Allerdings sehe ich das ähnlich, wie Johannes Buroh vom AKW, wir befinden uns in einem “Zwischentief”, und die Leute müssen ersteinmal wieder merken, dass unkommerzielle Freiräume nicht gottgegeben sind, sondern wir darum kämpfen müssen. Und das werden schon immer mehr. In Erfurt gab es im letzten Jahr soviele verschiedene Aktionen, um das seit 8 Jahren besetzte Gelände zu retten, inklusive Demos mit mehreren 1000 Menschen, bald schon müssen sich Investoren wieder warm anziehen.

Ob die Leute in Würzburg um das AKW einen ähnlichen politischen Kampf starten, bleibt fraglich. Das AKW selbst wurde in den letzten Jahren ja auch immer angepasster, der antifaschistische Infoladen hat letztes Jahr dann auch geschlossen. Wer weiß, vielleicht ist die Schließung des letzten halb-kommerziellen Raumes der Startschuss für den Kampf um ein tatsächliches Autonomes Zentrum in Würzburg? Zu wünschen wäre es der gediegenen Bischofsprovinz.

Die Lesung selbst fand ich sehr angenehm. Etwa 60 Leute hatten sich eingefunden- ich war ganz überrascht, dass die Leute bei so einem Wetter überhaupt vor die Tür kriechen. Das Publikum war dann auch sehr homogen, meist unter 30 und ich schätze mal mit hohen Studentenanteil.

Zunächst war man verhalten und ich musste mich selbst interviewen, bis dann mal sporadische Fragen aus dem Publikum kamen. Ich las dann den Text zur Sicherheitskonferenz in München erst aus dem Buch, und dann meine ungekürzte Originalversion, damit die Leute mal ein Bild haben, was Lektorarbeit heißt. Die Reaktionen waren geteilt, etliche ermunterten mich, ein weiteres Buch im Eigenverlag herauszubringen, eine Germanistikstudentin hingegen, befand das Buch “knackiger und auf den Punkt gebracht.” Ich las dann noch den ebenfalls unveröffentlichten Text zum KLIK, da er am besten zu insolventen Kulturzentren passt und Mut machen kann. Passenderweise schlurften gleich zu Beginn des Textes, in dem es hauptsächlich um betrunkene Punks geht, betrunkene Punks an der Bühne vorbei- sie wollten nur mal kurz aufs Klo. Das ging dann natürlich gar nicht, ich verdonnerte sie im Anschluss daran, die restliche Lesung vor der Bühne liegend, stilecht auszuharren.

Immer wieder kommentierten sie das Vorgelesene lebhaft, besonders die Schnorrepisode in Nürnberg und bescheinigten mir Authenzität. Am Schluß diskutierten wir noch alle gemeinsam, wie mensch in Würzburg am besten politisch aktiv werden kann- Ergebnis offen.

21.03.09

Derzeit treibe ich mich im Ökozentrum Verden herum und genieße den zweiten Block meines ZukunftspilotInnenkurses. Daher habe ich leider nicht soviel Zeit, gerade soviel zu schreiben, sammle aber laufend neue, wichtige Informationen, die ich euch nicht vorenthalten möchte und nächste Woche strukuriert aufschreiben werde. Gestern habe ich den Block “Zeitmanagment” (ich wehre mich immer gegen dieses schreckliche Wirtschaftssprech, dass auch schon in der Ökoszene Einlaß gefunden hat) geschwänzt, obwohl ich den vielleicht am nötigsten gehabt hätte, um zu Radio Bremen zu fahren und dort zusammen mit Jutta Sundermann von Attac und Gendreck Weg ein Interview mit Bayern 2 zu geben. Das Ergebnis gibt es auf der Mediaseite. Sehr schön fand ich ja insgesamt drei mal als “Silvia Hable, Aussteigerin, ehemalige Punkerin”, anmoderiert zu werden. Macht auf die Schublade, und rein damit! Eine halbe Stunde war dann auch wieder einmal zu kurz, um zwei Frauen nach ihrem politischen und persönlichen Werdegang zu fragen, ein Buch vorzustellen und eine kleine Lesung einzubauen. Auch hätte ich mich mehr Fragen nach unserem derzeitigen Engagement gewünscht, als nur eine Pseudo-Aufarbeitung unserer Familiengeschichten. “Welche Rolle hat Ihre Mutter dabei gespielt?”. Insgesamt aber doch recht nett, eingeladen worden zu sein und mit Jutta Sundermann hat der Sender eine sehr nette, kompetente Gesprächspartnerin gefunden. Jetzt geht es gleich zurück zum Seminar und ich werde mich mit “Widerständen ökologischen Wandels” beschäftigen.

17.03.09

So, wieder was geschafft. Gymnasium betreten und wieder lebend herausgekommen. Und alle hatten sogar Spaß dabei. Vermute ich mal. Full house gestern. Ich war mal wieder die letzte und da saßen sie dann auch schon alle erwartungsvoll. Ehemalige KlassenkameradInnen, eine Heerschar ehemaliger LehrerInnen, Eltern ehemaliger Ex-Freunde, militante Jesus-Freaks und Tierschützerinnen. Ehemalige KneipenmitsitzerInnen. Neue GymnasiastInnen und Jugendbeiräte. Bibliothekarinnen, Sekretärinnen, KollegInnen meiner Mutter, und noch viele dutzend, die ich auf Anhieb nicht identifizieren konnte. Meine anfängliche Nervosität verschwand schnell im angenehmen Leseklima. Die Leute waren dabei, lachten auch mal, schwiegen betreten, wenn es nötig war. Ich schaffte es auch mal, langsam zu lesen und nicht durch den Text zu sprinten. Dazwischen wurde ich immer wieder von Peter Rottmann “interviewt” und konnte über alles mögliche plaudern, was ja fast noch mehr spaß macht, als das Lesen selbst.

Für die Kissinger hatten Texte, wie der Frankreichausflug, voreignommene Richter und das Abitur natürlich noch einen ganz anderen Ironiefaktor als für mir unbekanntes Publikum. Am Ende mußte ich mich noch Fragen stellen. Ob ich gegen die Gesellschaft sein könnte, als Teil von ihr, war eine. Wie man am besten mietfrei wohnen könnte ( keine Miete mehr zahlen?!). Ein sehr engargierter Mann versuchte mich auch noch zu überzeugen, dass die Liebe mehr wert sei, als alle Umweltbewegungen zusammen und wir nur einen Jesus brauchen, dann wird wieder alles gut.  Ich sage nur no god no master- only desaster.

Das Signieren von ca. 50 Büchern dauerte dann gut nochmal eine Stunde, da ich ja jedes Buch mit einer persönlichen Widmung versehe und auch gerne mit denMenschen sprechen möchte. Ich bin doch keine Autogrammaschine und auch kein Star. Da komm ich mir richtig doof dabei vor. Ich habe doch nur ein Buch über mein Leben geschrieben, etwas das jeder machen könnte. Ich bin mir sicher, dass es in jeder Autobiographie interessante Geschichten gibt, die man literarisch ein wenig aufpeppen kann und somit ist mein Leben oder mein Buch nicht mehr wert, als jedes andere auch.

Nach 1 Stunde harrten nur noch die hartgesottenen LehrerInnen aus, in einigen arbeitete es noch. Warum ich denn die Schule so hart angreifen muss, mir sei es doch trotz allem gut ergangen und ich hätte Glück gehabt. Das kann ich nicht von der Hand weisen und ich fand es erfrischend, nach ein paar Jahren auf ganz anderer Ebene die Geschehnisse mit den entsprechenden LehrerInnen noch einmal revue passieren lassen zu können. Dennoch- einmal mehr musste ich erklären, dass ich keine indivduellen Glückserlebnisse suche, sondern Lösungen, die alle Menschen glücklich machen. Und da muss unser Schulsystem noch viel tun, viel flexibler werden, prozessorientiert anstatt ergebnisorientiert.

Ich bereute auch, vor dem Schreiben des Buches nicht noch einmal mit meinen alten LehrerInnen geredet zu haben. Sie wußten Details aus meinem Leben, die mir schon lange verblasst waren. Das beste war folgendes: ein Lehrer wollte mir mal wieder einen Verweis geben- ich stand umgehend auf, ging ins Sekretariat und wollte dort gleich ein Formular holen, um es dem Lehrer zu bringen, um ihm den Weg zu sparen und die Prozedur zu beschleunigen.

16.3.09

Bin wieder “zuhause”, da wo mein Vater mich am liebsten sieht. Bei ihm im Arbeitszimmer. Heute abend gebe ich die Lesung in der Höhle des Löwen, in einem Raum, den ich das letzte Mal im Juni 2002 das letzte Mal betreten habe und dies danach nie wieder tun wollte. Sage niemals nie und so werde ich denn tatsächlich im ehrwürdigen Gymnasium Bad Kissingen meine Revolutionstheorien, persönlichen Niederlagen und die deutsche Asylpolitik erörtern. Ich denke, auf meine ganzen noch anstehenden Lesereise werde ich nie wieder vor so vollem Haus lesen. Die Zeitungen voll (gleich hab ich noch ein weiteres Interview, so komme ich nie mit dem Blog nach!), Einladungen wurden an Privathaushalte verschickt, Schüler aufgefordert zu kommen, Stadtgespräch, der ganze Kurort steht Kopf. Endlich mal was los hier. Auf der Buchmesse habe ich gestern noch das blaue Sofa beehren dürfen und einen “Schnellkurs Utopie” gegeben. Ich fand das Interview sehr angenehm und das erste Mal hatte ich danach das Gefühl (fast) alles angesprochen zu haben, was mir wichtig ist, und das ist viel. Danach kamen unheimlich viele Leute auf mich zu und ich hoffe, dass einige derer, vorallem derer, die meinten, sie wären schon resigniert, durch das Buch wieder neuen Mut schöpfen und aktiv werden. An dieser Stelle möchte ich nochmal drauf hinweisen, dass ihr mich auch immer kontaktieren könnt, wenn ihr Zugang zu einem bestimmten Thema sucht, dass noch nicht verlinkt ist und euch weitergehend interessiert. Eventuell kann ich euch dann interessante Tipps geben. So ne Art Gelbe Seiten für die revolutionäre Alltagsgestaltung.

14.3.09

Mein 3.Tag auf der Buchmesse neigt sich dem Ende zu. Bin ziemlich überladen mit Eindrücken. Donnerstag abend ging es gleich nach der Ankunft mit Freund und Töchterchen zum Autorenessen, wo wir uns gar nicht gegenseitig aufgegessen haben ( witziger bin ich wohl auch nicht geworden die Tage), sondern brav in andere Kadaver von Nicht-Autoren, also Kuh, Hirsch und Schwein gebissen haben. Vegetarische Küche ist halt noch nicht so die Stärke von gutbürgerlichen Restaurants, auch nicht derer mit gehobener Preisklasse. Nichts destotrotz habe ich mich an dern wenigen gemüsigen Alternativen gelabt, bevor Pressereferetin Claudia auch schon zum Aufbruch mahnte. Ein Interview mit “Aspekte” stand an. Schnell auf ein Sofa gequetscht, Freund und Tochter mit einem Biergutschein in einer Ecke vom Moritzbasteikeller abgestellt und mal wieder allen die Welt erklärt.

Wie es zu dem Buch kam, wollen sie immer alle wissen und dann auch noch, wogegen ich denn so rebelliere und zu guter letzt noch ein paar Ideen beyond capitalism. Die schüttele ich mir dann immer ganz locker aus dem Ärmel und alle nicken verständig- besonders, wenn ich von einer neuen “Gesprächskultur” spreche, die wir in unserer Gesellschaft brauchen- mit der Klofrau gibt sich dennoch keiner ab. Dazu aber später. Jetzt waren wir ja noch in der Moritzbastei, da saß dann auch schon        Mischa-Sarim Vérollet mit seinem Buch “Das Leben ist keine Walddorfschule” und poetry-slamte vor sich hin. Im Publikum wurde gelacht und gegackert und ich wusste noch immer nicht, was ich diesem wertem denn gleich vorlesen sollte. Irgendwie will ich immer das ganze Buch vorlesen und kann mich nicht entscheiden. Ziemlich schnell war ich dann auch schon an der Reihe und das grelle Scheinwerferlicht blendete mich grässlich. Verwirrt ob der Menschenmasse rettete ich mich in meinen Text “Burgfräulein” und vergass vor lauter Aufregung mein Buch überhaupt vorzustellen. Beim 2. Text ließ ich das Publikum abstimmen, ob sie lieber einen Text über den Umgang mit ImmigrantInnen in unserem schönen Land hören wollen oder über Ein Euro Jobs. Letzterer siegte mit knapper Mehrheit, obwohl ich danach doch den ImmigrantInnentext bevorzugt hätte.

Nach der Lesung traf ich noch auf meinen Fan Katja, die mich noch aus der Fernsehdoku kennt und mich nun erstmals live erleben durfte. Ich finde es ja immer krass, “Fans” zu haben, vielleicht nennen wir sie lieber “InteressengenossInnen”, die eher Fan von einem alternativen Lebensweg sind, als von meiner Person selbst. Eigentlich hätte ich mich nun standesgemäß gerne betrunken, aber das geht ja nicht wegen Stillen. Also bin ich schon bald brav ins Bett, jaja, das ist das Alter Leute. Mit 25 gehts entgültig berab. Bin ich froh, dass ich bei Zeiten mein Partybudget abgearbeitet habe und nun nicht mehr nächtelang unter Einfluss von dubiosen Substanzen in mittelmäßig interessanten Discos abhotten muss. Nee, ganz entspannt kann ich nun sagen, so um halb 2: “Ich geh schlafen” und hab einfach keine Angst mehr was zu verpassen!

Am Freitag morgen kam ich schon wieder mal zu spät zu nem Interview auf der Buchmesse, aber immerhin kam ich überhaupt. Ab eins lernte ich mein neues Umfeld, das des DVA Verlages und anderen Untergruppierungen des “Random House”, das wiederum mittlerweile zu Bertelsmann gehört, kennen.

Ich bin da gerade mit Abstand die jüngste Autorin, wenn auch meine Pressereferentin nur ein Jahr älter ist. Aber ansonsten falle ich da nicht nur altersmäßig aus dem Rahmen. Der Verlag ist halt kein soziales Zentrum, in dem ständig Plenum gehalten wird, obwohl die da auch sehr viel reden, aber ich glaube, dort heißt das “Geschäftsverhandlungen” und Vokü gabs auch nicht, dafür aber immerhin Mineralwasser und ne Banane für Violetta. Ich versuchte also ersteinmal mich in meinem neuen Kulturkreis zurechtzufinden und fehlende Umgangsregeln entweder schnell zu erlernen oder mir falsche zu verkneifen, war ja mein Freund, der die Idee hatte, Violetta am Stand zu wickeln.

Nach vielen, vielen Plaudereien ging ich in Halle 5 und quatschte dann auch noch sämtliche kleinen Verlage und Zeitungen zu, um sicher zu gehen, dass sich wirklich auch JedeR an mein Buch nach der Informationsflut der Messe erinnern kann. Ab und an kamen auch Leute auf mich zu, manche kannten mich wiederum aus der Doku oder der Strassenbahn oder waren alte Lehrer von mir. Die Welt ist klein und verstecken hilft da auch nichts. Dann wurde ich von der Onlineredaktion des DVA Verlages interviewt. Vorher ging ich nochmal aufs Klo, um mich frisch zu machen und wurde auf die Klofrau aufmerksam, die mit krummen Rücken vor den Klos entlang schlurfte. Sie sah ziemlich müde aus und ich fragte sie, wie es ihr gehe. “anstrengend ist es und es fehlen Leute, jetzt bin ich hier fertig und dann ist noch das Congresszentrum dran”. Ich bedankte mich ersteinmal bei ihr, dass sie hinter mir und all den anderen kleinen Ferkeln herputzt und so dazu beiträgt, dass wir nicht alle nächste Woche mit Brechdurchfall im Bett liegen. Klofrauen und -männer sind fast unsichtbare Wesen, genausogut könnten sie auch Roboter sein, still und klaglos wischen sie hinter einem her, selten hört man sie sprechen oder überhaupt eine menschliche Regung von sich geben. Wie oft übersehen wir sie komplett? Wie oft können wir uns 5 Minuten nach dem Klogang in einem Kongresszentrum oder in der Tankstelle noch erinnern, ob da jemand am Putzen war oder nicht? Wie oft haben wir uns dafür bedankt?

Na klar, können wir sagem, die machen das ja nicht aus Nächstenliebe, sondern weil sie was dafür bekommen. Und was für nen Batzen Kohle die damit absahnen! Bestimmt vielmehr als der Arzt, bei dem wir uns artig bedanken, dass er uns ein weiteres, nutzloses Medikament aufgeschrieben hat. Oder dem Mensch von der Telekom, der bei uns eine Internetleitung in der Wohnung legt, die zwar beim ersten Freischalten nicht funktioniert, aber vielleicht mit ein wenig Glück beim 3. Mal. Oder dem Kellner, oder dem Lehrer, oder…ich finde es toll, sich für Dienstleistungen zu bedanken und gerade wenn wir auf eine Gesellschaft hinarbeiten wollen, die weniger auf Geld, sondern mehr auf Bedürfnissen und Miteinander basiert, sollten wir gerade die Arbeiten extra würdigen, die nicht so leicht von der Hand gehen. Denn ich bin mir sicher, dass auch in einer Gesellschaft, in der keiner mehr Existenzängste haben muss, der Müll weggebracht wird und das Klo geputzt wird. Aber Anerkennung will JedeR für sein Tun, sei es nun ehrenamtlich oder vergütet mit 8 Euro die Stunde oder 80.

Also einfach das nächste Mal die Klofrau bitte wahrnehmen. Noch besser natürlich wäre, wenn die Leute selbstverantwortlich hinter sich herwischen und gar nicht kleckern und spritzen und ein Wischmob in der Ecke lehnt und einmal in der Stunde jemand, der gerade eh nichts besseres zu tun hat, mal gründlich durchwischt. Das nennt man dann Selbstverwaltung oder Auto-Organisation und das klappt ganz gut,z.B. beim JUKKS, dem Jugendumweltkongress und anderen Events mit mehrern hundert Leuten.

Oder, anstatt Eintritt für die Messe zahlen zu müssen, könnten die Menschen sich auch einfach für bestimmte Tätigkeiten, je nach Neigung und Kapazität, eintragen. Das wird auf vielen (Musik)festivals schon lange mit Erfolg praktiziert, zum Beispiel dem Big Green Gathering in Südengland.

Und die arme Klofrau, die ist ja dann ihren Job los? vielleicht wird sie gar nicht so traurig sein, denn selbst wenn es ihr dann und wann mal Spaß macht, sicher nicht, 40-50 Stunden die Wochen, jahrein jahraus. Wenn wir in einer Gesellschaft leben würden, in der nicht ständig Geld als Hindernis für alles existieren würde, dann müsste sie auch keines mehr mit ihrer Tätigkeit verdienen, weil sie weiß, egal wo sie hingeht, kann sie, je nach Neigung und Kapazität, sich einbringen und dann am kulturellen Leben teilhaben oder was essen und so weiter und so fort.

Das war die kleine Gute-Utopie-Nachtgeschichte. Träumt was schönes!