Ein Kessel(n) Bunte(S)
Was die vergangenen Tage in Kopenhagen stattfindet, ist eine Demaskierung und Demontage jeglichen demokratischen Grundverständnisses. Je weiter wir im Spätkapitalismus fortschreiten, desto weniger Energie können die Mächtigen eben für die Schein-Maskerade verschwenden, mit denen sie uns in Vergangenheit noch einlullen wollten.Selbst beim G8 in Italien 2001 fanden sich die Gutmenschen und Demokratieprediger ( zur Erinnerung: die Leute die mit Bomben und Tretminen Demokratie in andere Länder exportieren, damit es den Menschen dort auch richtig gut gehen soll), nun ja, sie erklärten einhellig, dass soetwas ja nur im halb-faschisitischen Italien unter dem verrückten Möchtegerndiktator Berlusconi passieren konnte. Nun ja, Dänemark hat zwar auch eine rechtsgerichtete Regierung, aber die Sozialdemokraten in der Regierung haben auch für Grundrechteeinschränkung und das defacto Verbot von jeglichen Protest gestimmt.
Die G8 Treffen sind mittlerweile schon in großen Teilen der Bevölkerung delegitimiert, WTO-Verhandlungen werden regelmäßig von den Ländern des globalen Südens blockiert, Ex-Mitarbeiter vom IWF kritisieren diesen medienwirksam,
viele Menschen haben während der Finanzkrise und den unendlichen Milliarden an Euro für Bankenrettung das Vertrauen in den immerwährenden Wohlstand und demokratische Entscheidungen verloren. Die EU wurden die meisten BürgerInnen gerne wieder abschaffen, für die Ratifizierung des Lissabonsvertrags mußten die Iren, die einzigen die überhaupt darüber abstimmen durften in einer 2. Wahl zur Raison gezwungen werden und so weiter.
Auch wenn die Bewegung keinen Überraschungscoup mehr landen kann wie in Seattle vor 10 Jahren und daher auch kein Treffen effektiv blockieren kann ( wobei viele NGOs dies auch gar nicht wollen in Kopenhagen, sondern im Kongresszentrum selbst Lobbyismus oder kleine Störungen wie die EinwohnerInnen von den im Meer versinkenden Tuvalu, herbeiführen wollen), ist die Bewegung doch breiter geworden, wütender. Denn es geht für uns alle ums Ganze. Um unsere Zukunft, um unseren Planeten.
Immer mehr Menschen sind bereit, ein ganz anderes Anderes zu denken und zu leben, immer weniger fressen, was ihnen vorgeworfen wird. Wir sind vernetzt über den ganzen Erdball. Die privaten und öffentlichen Nachrichtensender und Zeitungen können uns nicht mehr alles vorenthalten, so wie es vor ein paar Jahrzehnten noch möglich war. Wir wissen um die sozialen Kämpfe um den Globus. Der soziale Friede kippt nun auch im Wohlfahrtparadies Skandinavien.
Die Mächtigen wissen dies und versuchen in einem letzten Aufbäumen die letzten noch verbliebenen Ressourcen unter sich aufzuteilen und die letzte grandiose Inwertsetzung von immateriellen Gütern wie Luft, Regenwälder, Meere ( auch gerne Co2 Senken genannt) Der Wald als Dienstleister der Kapitals. Wasser-Wald-Luft-Segmentiert-verkauft-mit Milliarden belastet. WUMS- und wer glaubt an Ökokapitalismus?
Was gäbe es sonst für einen Grund, die Demonstrationen in Kopenhagen derart gewalttätig im Keim zu ersticken?
Über 1200 Festnahmen gab es in der letzten Woche- die meisten präventiv. Viele kamen wiedermal nicht ins Land rein. Schengen gilt nur, wenn es den Reichen passt. Die Leute auf dem Foto oben wurden gezwungen sich in Reihen auf den eiskalten Boden zu setzen und in die Hose zu pinkeln. Die Hände mit Kabelbindern auf dem Rücken. Selbstverständliche präventiv. Selbstverständlich sind die meisten schon wieder draußen aus dem Käfig, da ihnen nichts vorgeworfen werden kann, außer dem Willen nach Kritik einer in ihren Augen zerstörerischen Politik. Ich kann es nur noch einmal wiederholen, dass sind die ausführenden Organe von Regierungen, die Afghanistan den Frieden erklären wollen!!! Es wird vermutet, dass zum einen Namen der Demonstrierenden registriert werden sollen, sie sollen eingeschüchtert werden, gespalten, schlafentzogen. Sie werden nach der Haft in Käfigen in Bussen an irgendwelche Vorstadt oder Provinzbahnhöfe gebracht- no return.
Die Regierenden brauchen das- das Bild vom gewalttätigen, rastabehangenen Linksradikalen, der der Menschheit das Glück eines neuen, (profit)verbesserten Emissionshandels berauben will.
Immerhin haben sie prominente Unterstützer, wie den angesehenen Klimaforscher und NASA-Wissenschaftler James Hansen und auf Expertenmeinung wird doch sonst auch soviel gegeben! Er wünscht sich ein Scheitern der Klimaverhandlungen, und einen wirklichen Neuanfang, nur so sei eine globale Erwärmung noch aufzuhalten.
In Dänemark wird weiter protestiert, heute gab es eine laute kräftige Via-Campensina-Demo. Small farmers cool down the planet. Weitere Infos:
Doch nur weil die Klimaverhandlungen in Kopenhagen stattfinden, heißt das noch lange nicht, dass nur dort Aktionen stattfinden (sollten).
Im Gegenteil, auch wenn die mediale Präsenz und der Fokus, der in den Gipfeltagen auf so einem Ort liegt, dazu verlockt, sind Aktionen dort eben oft strategisch nicht günstig. Die Polizei hat ein Spezialtraining hinter sich, extra Gefängniskapazitäten (Hundezwinger) sind herangekarrt, die Hemmschwelle ist niedrig und der Adrenalinspiegel auf allen beteiligten Seiten hoch. Meist folgen Gipfelproteste einer festgelegten Choreografie. Demoinhalt und Verlauf sind schon Wochen vorher bekannt, eine oft große, träge Masse ergießt sich durch enge, leicht abzuriegelnde Straßen.
Vermutlich wäre der Kopenhagener Hafen an jedem anderen Tag des Jahres besser zu blockieren mit einer 3-köpfigen Klettertruppe, als gerade am 13.12.2009, wenn eine mehrere 1000 Personen starke angemeldete Demo dorthin geht unter dem Namen “Hit the production”. Präsenz zeigen auf den Straßen ist natürlich wichtig und Massenveranstaltungen grooven oft richtig, viele AktivistInnen sind ja sonst das ganze Jahr alleine. Dennoch: Die ganze Woche steht unter dem Motto Global Action Week und alle können an allen Orten dieser Erde eigene Aktionen starten!
In Rosenheim ( ja das in Bayern) gab es zum Beispiel zum ersten Mal eine Critical Mass. Ja, es muss nicht immer gleich eine Atomkraftwerkskühlturmbesetzung sein. “The production” hat viele Gesichter und wir haben die Phantasie!
In Berlin wird es morgen, Dienstag um 15 Uhr eine Solidaritätsaktion mit den noch in Kopenhagen befindlichen Demonstranten_innen zu geben. “Wir uns am Dienstag den 15.12.09 um 15h an der Weltzeituhr am Alexanderplatz. Dort wird eine Demonstration inszeniert, zu der wir unsere Pozilei auch gleich selber mitbringen.
Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, kam es während des derzeit in Kopenhagen laufenden Klimagipfels bereits bei den ersten Großveranstaltungen zu massiver Repression seitens der dänischen Sicherheitsbehörden. So sind für den Samstag mindestens 968 Festnahmen, für den darauffolgenden Sonntag, mindestens 200 Festnahmen zu vermelden. Die Art und Weise, des Vorgehens, sowie die dabei angewandte Brutalität der dänischen Polizei waren Anlass für breite Kritik. Die Climate Justice Action (CJA) bspw. nennt die Massenhaftungen des Samstages in einer Pressemitteilung eine „Kriminalisierung von friedlichen Demonstranten”, sowie der Klimaproteste im Allgemeinen. Neben der Meldungen in der Mainstreampresse, hier noch mal die Links zu 2 diesbezüglichen Indyartikeln:
http://de.indymedia.org/2009/12/268635.shtml
http://de.indymedia.org/2009/12/268672.shtml
Um auf die stattgefundene Repression auch hier in Berlin nochmals aufmerksam zu machen und um Solidarität mit den noch in Kopenhagen befindlichen Demonstranten_innen zu bekunden, treffen wir uns am Dienstag den 15.12.09 um 15h an der Weltzeituhr am Alexanderplatz. Dort wird eine Demonstration inszeniert, zu der wir unsere Pozilei auch gleich selber mitbringen. Konkret soll dieser kreative Protest in Form eines Straßentheaters unsere Interpretation des staatlichen Umgangs mit Demonstanten_innen in Szene setzten. Mit Übergriffen seitens unserer Pozilei ist daher wohl zu rechnen.
Es wäre schön wenn ihr dafür bunte, schwarze und/oder grüne „Bullen-Klamotten“ anzieht, bzw. mitbringt, je nachdem wen ihr lieber spielen möchtet. Aber denkt dran, es können nicht alle die Guten sein, wir brauchen auch Pozilei. Selbst gebastelte Schweinenasen (Fuck all Pigs!) aus Eierkartons, Kabelbinder für die „Festnahmen“, Kochlöffel-Schlagstöcke und ähnliches mehr, können das optische Erscheinungsbild der Darbietung nur verbessern. Seitens der „Demonstranten_innen – Darsteller_innen“ können Trillerpfeifen, Kochgeschirr und Ähnliches den Geräuschpegel für die Aufmerksamkeit auf unsere Aktion nur steigern, Transpis und Schilder mit eventuellem Bezug auf Kopenhagen sind auch gern gesehen. Eurer Kreativität sind unsererseits keine Grenzen gesetzt!
Wer Lust und Zeit hat an der Herstellung der Requisiten für die geplante Performance mitzuwirken, ist herzlich eingeladen am Montag, den 14.12.09 ab 16h im New York/Bethanien vorbeizuschauen.
In diesem Sinne Soligrüße nach Kopenhagen! Freiheit für alle Gefangenen!”
http://de.indymedia.org/2009/12/268635.shtml
http://de.indymedia.org/2009/12/268672.shtmlUm auf die stattgefundene Repression auch hier in Berlin nochmals aufmerksam zu machen und um Solidarität mit den noch in Kopenhagen befindlichen Demonstranten_innen zu bekunden, treffen wir uns am Dienstag den 15.12.09 um 15h an der Weltzeituhr am Alexanderplatz. Dort wird eine Demonstration inszeniert, zu der wir unsere Pozilei auch gleich selber mitbringen. Konkret soll dieser kreative Protest in Form eines Straßentheaters unsere Interpretation des staatlichen Umgangs mit Demonstanten_innen in Szene setzten. Mit Übergriffen seitens unserer Pozilei ist daher wohl zu rechnen.
Es wäre schön wenn ihr dafür bunte, schwarze und/oder grüne „Bullen-Klamotten“ anzieht, bzw. mitbringt, je nachdem wen ihr lieber spielen möchtet. Aber denkt dran, es können nicht alle die Guten sein, wir brauchen auch Pozilei. Selbst gebastelte Schweinenasen (Fuck all Pigs!) aus Eierkartons, Kabelbinder für die „Festnahmen“, Kochlöffel-Schlagstöcke und ähnliches mehr, können das optische Erscheinungsbild der Darbietung nur verbessern. Seitens der „Demonstranten_innen – Darsteller_innen“ können Trillerpfeifen, Kochgeschirr und Ähnliches den Geräuschpegel für die Aufmerksamkeit auf unsere Aktion nur steigern, Transpis und Schilder mit eventuellem Bezug auf Kopenhagen sind auch gern gesehen. Eurer Kreativität sind unsererseits keine Grenzen gesetzt!
Wer Lust und Zeit hat an der Herstellung der Requisiten für die geplante Performance mitzuwirken, ist herzlich eingeladen am Montag, den 14.12.09 ab 16h im New York/Bethanien vorbeizuschauen.
In diesem Sinne Soligrüße nach Kopenhagen! Freiheit für alle Gefangenen!”
This entry was posted on Montag, Dezember 14th, 2009 at 5:36 pm and is filed under AgrarKULTUR, Direkte Aktion, Klimaschutz, Kongresse, Camps und Vernetzung, Politik, Proteste, Repression, Ziviler Ungehorsam. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
