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ACAB oder doch lieber NIKE?

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November 20th, 2009 Posted 4:25 pm

ACABA.C.A.B., All Cops are bastards, ein mittlerweile doch schon sehr in die Jahre gekommene Schlachtruf aus den frühen Punkjahren Englands, wurde einem 15-jährigen Nürnberger Demonstrant vorgestern zum Verhängnis.

Seine Eltern hatten ihm das T-Shirt mitgebracht (woher auch immer) und er lief damit auf einer der Studibildungsdemos rum. Nun ist es ja so, dass der Spruch wirklich schon zum Repertoire jedes mittelmässigen Headshops oder pseudorevolutionären Souvenirshop auf dem Kudamm gehört, ähnlich wie Che Guevaras Konterfei, oder “Zahme Vögel singen von der Freiheit, wilde Vögel fliegen”.

Nun ja, nicht so in Bayern, denn dort wurde erst im April diesen Jahres ein neues Gesetz erlassen, die einen klaren Umgang mit derlei subversiven Sprüchen regelt. Jetzt, wo auch fast der letzte Hinterwändlerpolitiker Englisch gelernt hat ( außer Westerwelle), ebenso die Polizei auch schon “inglisch” sprechen kann, wenn sie denn will ( mit Flüchtlingen zum Beispiel eher nicht, mit Touristen eher schon), fühlen sie sich in ihrer Ehre wohl doch sehr angekratzt.

Und nahmen den Kurzen kurzerhand fest, plus Ausziehen, Leibesvisite und Anzeige wegen Beamtenbeleidigung. Und alles nur wegen A.C.A.B. Quod eram demonstrantum.

Der gute Junge schaffte es sogar als Aufmacher in die Lokalpostillen und Schundblättchen. Ich frage mich gerade, was passieren würde, wenn all die StudentInnen und SchülerInnen, die gerade im Großraum Nürnberg ihre Audimäxe besetzt halten und streiken, sich solidarisch mit dem jungen Mann zeigen würden und in hundertfacher Ausführung mit einem solchem T-Shirt durch die Nürnberger Innenstadt marschieren würden?

Die Polizei würde in einen Festnahmestress ohne Gleichen verfallen, und irgendwann würden sie vor lauter Absurdität eventuell davon ablassen. A.C.A.B. kann doch soviel bedeuten. Alle Christen ahnen Böses oder so.

Solange Innenstädte und Landstraßen, Bahnhöfe und Schulen mit Werbepostern und Firmenlogos gepflastert sind, und die Leute ganz selbstverständlich mit Nike T-Shirts rumlaufen, ( könnte man ob ihrer Firmenpraktik auch als kriminelle Vereiningung hinstellenn) sollte auch jeder Mensch auf seinem T-Shirt tragen dürfen, was er oder sie will. Und ja, meinetwegen auch Thor Steinar oder Hitlers Konterfei. Denn Verbote und Gesetze machen unfrei und unzufrieden, schüren Ängste, Misstrauen und Denunziantentum und bislang hat noch jede Nazigruppe ihre kladestinen Zeichen verteidigen können und auch durch die vielen Verbote wurden sie Zeichen erst interessant.

Die Gesinnung ist doch eh im Kopf drin und nicht nur am T-Shirt drauf. Klar, kann man Werbung laufen, mit T-Shirtsprüchen, aber wer offen ist für was auch immer, bekommt mittlerweile im Internet wesentlich mehr Input als durch ein blödes T-shirt.Und wie auch bei Demoverboten, Konzertverboten usw., sollten gerade die “Linken” nicht immer jubeln, wenn wieder etwas “Rechtes” verboten ist. Denn wir befinden uns im Kampf gegen “alle Extreme” und im Endeffekt darf den öffentlichen Raum, die öffentliche Debatte, unseren Kopf und Körper nur noch besetzen, benennen und benutzen, wer den maximalsten Profit draus schlägt oder untertänig konsumiert und weiterhin nichts in Frage stellt.

http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1125227&kat=10&man=12