Archive for Mai, 2009
Easy jetten oder hard bahnen?
Mai 10th, 2009 Posted 3:37 pm
Die nächste Reise nach Portugal steht an, und umweltbewusst wie unsere Kleinfamilie ist, werden wir deshalb die nächsten 2 Tage in verschiedenen Zügen verbringen. Vorweg angemerkt: Berlin-Lissabon Direktflug mit Easyjet, würde uns 140 Euro kosten, für beide, Baby kostenlos und innerhalb 3 Stunden wären wir am Ziel unserer Träume.
Immer wieder höre ich aber, auch von unserer hochrangigen PolitikerInnen, wie sie sie sich mit ernster Miene vor dem Volk versammeln und laut in die Agrarwüsten dieses Landes rufen: „Wir müssen etwas für den Klimaschutz tun. Kauft Bio! Legt euch einen Solarkollektor auf windschiefe Eigenheim! Kauft euch Sparlampen!” Dann treten sie wieder ab, und verschwinden in ihrer Luxuslimousine oder ihrem Privatjet.
Innerhalb Deutschlands wird immerhin, auch trotz Abwrackprämie, Pendlerpauschale und Milliarden für neuen Straßen-Autobahnbau oder Ausbesserungsarbeiten auf selbigen, dann und wann nochmal erwähnt, dass „Bahnfahren umweltfreundlich” ist. Das mag sein, billig, zuverlässig oder entspannend jedenfalls nicht. Ständig fährt einem der Zug vor der Nase weg, kommt gar nicht oder man wird Opfer von ICE-MitarbeiterInnen, die sich für zu wichtig nehmen, und grundlos beleidigt.
Wer nicht schon sein Leben im Vorjahr plant und die entsprechenden Zugtickets bucht, kann sein halbes Vermögen bei der Deutschen Bahn los werden oder muss mit Bummelbahnen durch die Kante düsen. Beispiel: Wochenendticket Berlin-Verden ( bei Bremen) 6 Stunden. Mit 2 Koffern und Baby ein Vergnügen. 4 mal umsteigen, davon 2 mal an Bahnhöfen, bei dem es weder Aufzug noch Kofferrampe gibt. Vergleich: IC-Verbindung: 2,5 Stunden. Auto: 3 Stunden.
Abgesehen davon, stinken die neuen Züge, regelmäßig erkälte ich mich unter der Berieselung von Klimaanlagen und bekomme Beklemmungsgefühle in den hermetisch von der Außenwelt abgeschirmten Büchsen, bei denen man abends schonungslos von kleinen Halogenlampen angestrahlt wird. Ich kann mich noch dunkel an die Sechserabteile erinnern, bei denen man die Sitze zu einem Bett herumklappen konnte, das Fenster öffnen und mit einem großen Schild dazu gemahnt wurde, keine Flaschen aus dem Fenster zu werfen. Zu dem Zeitpunkt wäre mir das sowieso noch nicht in den Sinn gekommen. Jedenfalls konnte man da das Licht ausmachen.
Nun will ich aber nicht über nicht über die Leiden in innerdeutschen Zügen schreiben, die kennen ja die meisten selbst sehr gut. Ich will lieber darüber berichten, wie es Menschen ergeht, die tatsächlich aus KLIMASCHUTZGRÜNDEN eine Distanz von 3500 km nicht mit dem Flugzeug sondern dem Zug zurücklegen wollen, so wie es von den PolitikerInnen zwar immer verbal gefordert, in der Praxis aber nicht dafür tun, bzw. den mutigen Recken noch Steine in den Weg legen. Zuerst einmal ist da der Preis. Wir kaufen ein Interrailticket, die mit Abstand am billigste Option. Für unter 26-jährige macht das schoneinmal 159 Euro, wer älter ist, muss schon mehr blechen, auch wenn mensch mit steigendem Alter nicht automatisch reicher ist, so wie mein Freund, der eine Doktorarbeit schreibt. Trotzdem muss er 249 Euro zahlen.
Damit wären wir bei 410 Euro. Wir erinnern uns: Easyjet-Klimakiller: 140 für 2 Personen.
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Schweinegrippe- eine verdächtige Allianz zwischen Agrarindustrie und Pharmakonzernen
Mai 4th, 2009 Posted 9:24 am

Folgenden Meinung zur Schweinegrippendebatte habe ich aus dem Portugiesischen übersetzt,adaptiert und an einigen Stellen ergänzt. Autor ist Gualter Baptista, Forscher der ökologischen Ökonomie und politischen Ökologie bei CENSE in der Neuen Universität von Lissabon (http://ingenea.pegada.net)
Am 30.April hat die Weltgesundheitsorganisation, auf Druck von verschiedenen Ländern, angekündigt, den Schweinegrippevirus in A(H1N1) umzunennen. Die Änderung des Namens scheint zum Ziel zu haben, den wahren Hintergrund zu verschleiern, der Schweine und Vögel in intensiver Massentierhaltung in eine Situation gebracht hat, in der ihr Immunsystem stark geschwächt und nur noch rudimentär vorhanden ist, wenn überhaupt.
Am selbem Tag aber, sind auch die Ergebnisse der genetischen Sequenz von einem Forschungsteam veröffentlicht worden, die dem Virus inneliegt. Sie zeigen auf, dass die meisten der Gene, die dem Virus inneliegen, ihren Ursprung in anderen Schweine- und Vögelviren haben [1].
Vielleicht handelt es sich ja dabei um keinen Zufall, dass gerade die multinationalen pharmazeutischen Unternehmen und die des Landwirtschaftsbusiness (als deutsches Beispiel fällt einem dabei sofort Bayer ein) sich so nahe stehen und sowohl als Ursprung als auch Lösung für die Pandemie präsentiert werden. Nach einer Studie der Vereinigung von besorgten Wissenschaftlern, werden 70% aller in den USA für Tiere verwendeten Antibiotika nicht für therapeutische Zwecke eingesetzt, soll also heißen, sie werden “vorbeugend” gegen Krankheiten bei Tieren eingesetzt, die schon von Haus ( oder von Tierfabrik) aus, gar nicht mehr gesund sein können, sei es, weil sie unter komplett unzureichenden und inhumanen Bedingungen gehalten werden, sei es aufgrund der Abwesenheit von genetischer Vielfalt, da für die Tierfabriken nur einige wenige, auf schnellen Fleischaufbau gezüchtete Rassen ausgewählt werden.
Landwirtschaftsbusiness und die Pharmakonzerne stellen ganz offensichtlich einen Industriekomplex dar, der in beiderseitiger Abhängigkeit wohlgedeiht. Das Landwirtschaftsbusiness braucht pharmazeutische Erzeugnisse, um seine fortschreitende Produktionsintensivierung voranzupeitschen, die Pharmakonzerne verdienen sich nicht nur damit eine goldene Nase, nein, vielmehr profitieren sie auch noch von den medialen Wellen, die bei jeder neuen Seuche, Grippe und anderen fiesen Krankheiten hochschlagen. [2] Tatsächlich kommt man billiger damit, die Tiere mit Antibiotika vollzustopfen und sie unter Bedingungen zu halten, die neue Krankheiten geradezu heraufbeschwören, als sich um angemessene Haltungsstandards derselben zu kümmern.
Vor einigen Jahren, als ich anfing, in der akademischen Forschung zu arbeiten, habe ich mit Schweinehaltern aus Südportugal ein Projekt geplant, in dem es darum ging, ein Ökosiegel für Schweinfleisch zu entwerfen. Hier fiel auf, wie schwierig selbst einfach erscheinende Dinge umzusetzen waren, die den Schweinen das Leben etwas erleichtern sollten, wie z.B. Stroh als Lagerstätte zu verwenden, anstatt, dass sie sich, wie bislang auf Eisenstangen und Beton, die kurzen Beine in den dicken Bauch stehen mussten. Genauso wie der Verzicht auf das Herausreißen bzw. Abschneiden von Zähnen und Schwänzen, was in der industriellen Massentierhaltung dazudienen soll, dass sich die Schweine vor lauter Stress, den sie in ihrem engen Gitter, auf Eisenstangen ohne Tageslicht stehend zwangsläufig bekommen, nicht gegenseitig angreifen und sich die Bisswunden dann infizieren.
Offensichtlich waren diese Schwierigkeiten das Ergebnis der globalen “Ernährungs”industrie, komplett auf Gewinnmaximierung ausgerichtet, nicht etwa auf Gewinnoptimierung. Hier überlebt im Prinzip nur, wer es schafft, seine Betriebskosten auf ein Minimum zu reduzieren, was eine Massentierhaltung auf Mindeststandard begünstigt, komplett abhängig von einer multinationalen Großindustrie, die sie mit Futtermitteln, Chemiekeulen und Medikamenten eindeckt.
Der ganze Wirbel, der um die Schweinegrippe veranstaltet wurde, wurde ebenso in Frage gestellt, und das zu recht. Wenn man die Todesfälle, die mit der Grippe in Zusammenhang gebracht werden, mit denen von anderen Krankheitsbildern, wie der Tuberkulose[3], oder (Verkehrs)unfällen[4] vergleicht, sehen wir uns einer signifikanten Diskrepanz gegenüber, sei es in der medialen Aufmerksamkeit, die der Grippe zu teil wurde, sei es in der politischen und finanziellen Dringlichkeit, mit der das Problem in die Hände der Forschung der Pharmakonzerne übergeben wurde.
Im Endeffekt zahlt bei dieser unheiligen Allianz von Tiermisshandlung, Medikamentenmissbrauch und industrieller Landwirtschaft, der/die Bürgerin drauf, da hilft es dann auch nichts, wenn das Steak bei Penny nur 1,99 kostet. Die Rechnung ist ein wenig komplexer: auf der einen Seite leiden wir unter den Begleiterscheinungen der Massentierhaltung auf die Umwelt ( z.b. wenn wir in der Nähe einer Schweinefabrik leben, aber auch weil das Nitrat, Schwermetalle, Viren, Bakterien usw. sich in unserem Grundwasser, in unseren Bächen und Flüssen ablagern…da hilft es auch nichts vegan zu sein) und zusätzlich natürlich, wenn wir dieses Fleisch dann auch noch essen, denn auch wenn man als Vegetarier geneigt ist, Fleischessern mit einer gewissen Häme ihre Skandälchen zu gönnen, will man ihnen diese Giftcocktails dann doch nicht zumuten. Es wäre einmal interessant zu wissen, wieviele Milliarden Euro jährlich in die Behandlung von Krankheiten fließen, die durch Fleischkonsum, zudem noch aus Massentierhaltung, verursacht wurden.
Auf der anderen Seite wird das Geld, das wir von unserem Lohn abzwacken, für die Verträge verwendet, die die Regierungen mit den Pharmekonzernen aushandeln, um Antibiotika und Impfungen zu kaufen. Denen liegt natürlich nichts daran, etwas an den Ursachen zu ändern, solange diese lukrativen Geschäfte ihr Bestehen sichern und somit schließt sich der Teufelskreis, bei dem am Ende alle daraufzahlen( kaputte Erde, Epidemien etc), nur manche eben mehr, andere weniger. Einige schon jetzt, andere erst ein wenig später.
Im Moment sind es die reichen Länder und BürgerInnen, die ein patentiertes Antibiotika von einem der großen Pharmakonzerne kaufen können, die armen Länder oder nicht so betuchte Personenkreise gehen leer aus. Letztere leiden gleich doppelt( wie z.b. in Mexiko), weil sie nicht nur Opfer der Auslagerung der stinkenden und verschmutzenden Massenschweinehaltung, die niemand gerne neben seinem Haus hat, geworden sind, sondern weil es auch sie sind, die über keine Mittel und Wege, weder ökonomisch, noch als politische Einflussnahme, verfügen, um die Pandemie wirksam bekämpfen zu können.
Wir dürfen nicht tatenlos verharren, während wir daraufbauen, im “Ernstfall” Tamiflu von Roche, kaufen zu können. Es ist von Nöten, die wahren Schuldigen zu suchen und publik zu machen, nicht nur damit sie für die Schweinegrippe zahlen, sondern auch, um die fortschreitende Zerstörung der Weltgesundheit aufzuhalten, sei es Mensch, Tier oder Pflanze. Wenn Novartis eine Impfung entwickeln will und dafür Unterstützung haben will, so soll es wenigstens die industrielle Landwirtschaft und ihre Stellvertreter sein, die dafür zahlen und nicht der/die Steuerzahlerin. Vielleicht kommen sie dann ja irgendwann einmal auf die Idee, die Schweine mal ein wenig an die frische Luft zu bringen, denn ich habe die Alten immer sagen hören, dass das gut für die Gesundheit sein soll.
Anmerkung: Wer in Deutschland aktiv werden will gegen weitere Schweinereien, auf den/die wartet im schönen Mecklenburg-Vorpommern, in Alt-Tellin ein neues zuhause, dass er/sie sich großzügig ausbauen kann. Es geht hierbei um ein Haus, das AktivistInnen freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, um gegen die größte Ferkelzuchtanlage Europas, die dort direkt nebenan gebaut werden soll, vorgehen zu können.
http://schweinerei.blogsport.de
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