Mutig Mutig!

Beispiele für eine gerechtere Welt

Gendreck bleibt dieses Jahr in den Säcken

Schneller als erwartet hat sich meine Frage von gestern: “Wo ist all der Gendreck hin?” beantwortet. Als ob ich es gerochen hätte oder einen Geheiminformanten hinter mir stehen gehabt hätte.

Heute ist natürlich ein Tag zur Freude, für Tausende von Anti-Gentechnik AktivistInnen, die in den letzten Jahren ihr Herzblut für ein Moratorium gegeben haben. Menschen von Bürgerinitiaven für gentechnikfreie Zonen, Menschen, die Ilse Aigner auf ihrer Promotiontour hinterhergereist sind und immer wieder in Diskussionen verwickelt haben, Landwirte, die immer wieder zu spektakulären Treckerdemos aufmachten, Leute, die gentechnikfreie Einkaufsführer herausgegeben haben, MultiplikatorInnen, die von Schule zu Schule reisen um kritisch über die grüne Gentechnik aufzuklären, Umweltverbände, die ihr ganzes Jahresbudget in Kampagnen gesteckt haben und waghalsige Aktionen hingelegt haben, Einzelpersonen, die des Nachts die Felder umgemäht haben, Leute, die vor Gericht ihr Recht auf zivilen Ungehorsam erstreiten, das Ehepaar von der Vita Activa Tour, die 8000 Kilometer durch Europa mit Kutsche unterwegs sind, um über die Gefahren aufzuklären, die Menschen vom Aktionsbündnis “Genfrei gehen”, die quer durch Deutschland wandern, mit dem selben Ziel, Biobauern, Imker, Kirchliche Verbände, mutige Wissenschaftler, die den “Unbedenklichkeitsstudien”, die die EFSA vorlegt, widersprechen und das Gegenteil beweisen können und so so vielen mehr müssen wir dankbar sein. Denn das Verbot ist ein großer Schritt, ein großes Signal, dafür, dass es doch noch Verstand und Hoffnung gibt! ( Böse Zungen behaupten allerdings, dass es nur um Wählerstimmen ging, sodass Aigner im Gegensatz zu Seehofer das Problem nicht einfach aussitzen konnte) Aber nein, heute wollen wir mal an das GUTE glauben und stellen fest:

Natur und Schmetterlingsarten sind wichtiger als ein Großkonzern. Und das in Zeiten der angeblichen Krise. Kann es sein, dass unsere PolitikerInnen doch langsam begreifen, dass wir und schon Jahrzehnten, wenn nicht sogar schon seit Jahrhunderten, spätestens seit der Industrialisierung in einer schweren Krise befinden?

Ein großes Signal, dass es doch noch so etwas wie Restdemokratie gibt, dass Initiaven von unten, dezentral und vielfältig in Aktions- und Erscheinungsformen die gesamte Menschheit betreffende Entscheidungen selbst in die Hand nehmen dürfen und nicht wie immer ein, zwei Großkonzerne über unser aller Gedeih und Verderb entscheiden dürfen.

Das war erst der Anfang, jetzt müssen auch noch die Experimentierfelder weg, danach die Atomkraftwerke, die Riesenstaudämme, die Monokulturen der Landwirtschaft, die Autobahntrassen, die Abwrackprämie…ich sag ja immer die sozial-ökologische Revolution kommt im August. Bis dahin ist auch Gendreck Weg noch aktiv, auch die laufen jetzt ja fast Gefahr arbeitslos zu werden. In Kitzingen jedenfalls wird es noch immer einen Saatguttausch geben und statt der Aussaat eine Jubeldemo. Danach wollen sie sich verstärkt den Experimentierfeldern widmen, deren es ja noch so einige in Deutschland gibt, Tendenz steigend.

This entry was posted on Dienstag, April 14th, 2009 at 10:15 pm and is filed under AgrarKULTUR, Ernährung, Politik. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

One Response to “Gendreck bleibt dieses Jahr in den Säcken”

  1. Sven
    9:15 pm on April 15th, 2009

    Ich hoffe auch, daß dies der erste Schritt hin zum Umdenken zu einer generellen Grundsatzentscheidung gegen die sogenannte “grüne” Gentechnik ist. Aber ich befürchte zum einen, daß die Klage von Monsanto Erfolg haben wird, dem Bund damit enorme Schadensersatzforderungen enstehen werden und dann wieder vom bedrohten Wirtschafts- und Wissenschaftstandort Deutschland geredet werden wird.
    Zum anderen besteht auch die Gefahr, daß dieser kleine Brocken, den man der Bevölkerung hinwirft, gierig geschluckt wird und der Glaube an die Politik, etwas gegen die Gen-Technik zu unternehmen bei einigen soweit gestärkt wird, daß die Machthaber in Zukunft leichtes Spiel haben werden, weitere Maßnahmen zu unterlassen, mit dem Hinweis man habe es ja bereits versucht, aber…

    Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überraschen…

    Mich würden auch Aktionen gegen die weitere Freisetzung transgener Bäume und sogenannter “Pharma-Pfanzen” interessieren, die leider in der Diskussion um die “grüne Gentechnik” viel zu kurz kommen.

    Rudimentäre Infos dazu:

    gen-ethisches-netzwerk – Transgene Bäume

    BUKOagrar – Pharma-Pflanzen mit menschlichen oder tierischen Genen

    Bundeskoordination Internationalismus

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