Mutig Mutig!

Beispiele für eine gerechtere Welt

Schularchitektur

Vom 20.-22. März hat in Münster der Konvent “Der Dritte Pädagoge” ( der Raum) stattgefunden. Hier wurde von namhaften Architekten und Pädagogen eine radikale architektonische Umgestaltung der Schullandschaft diskutiert und gefordert. Das Geld aus dem Konjunkturprogramm sollte einer innerlichen und äußerlichen Demokratisierung zu gute kommen, denn die jetzige “kasernenähnliche” Anordnung von langen Fluren und rechteckigen Klassenzimmern lassen kaum ein anderes Unterrichts- und Umgangsmodell als den üblichen hierarchischen Frontalunterricht, bei dem sich der/die Lehrerin mithilfe von Repressalien und Schreien Gehör verschaffen muss, zu.

Die Zukunft gehört einer Schule, die aus vielen kleinen Lerninseln besteht, in die sich die SchülerInnen alleine oder zur Teamarbeit zurückziehen können, auch einmal kuscheln oder schlafen können, ohne dafür gemaßregelt zu werden. Große, helle Räume dienen zu Schulvollversammlungen, in denen demokratischen Entscheidungen getroffen werden können. Dazu muss der ganze Schulalltag flexibler gestaltet werden, der/die SchülerIn bestimmen können, wann er/sie aufnahmefähig ist, wann eine intensive Eigenarbeitsphase möglich ist und wann abgeschalten werden muss. Der/die LehrerIn wird immer mehr zum Begleiter und muss sein/ihr, so wie heute noch oft üblich, beherrschtes Reich aufgeben, durch das die SchülerInnen derzeit wie NomadInnen mit viel zu schweren Rucksäcken und immer währenden Stress im Nacken ziehen, um “Fachunterricht” zu erhalten. Rechte Winkel werden abgeschafft, organische Strukturen treten an Stelle von langen, kalten Fluren, bei denen auch Gummipflanzen in Töpfen sonst keine Abhilfe mehr schaffen können. Selbstverständlich auch, dass die neuen Baumaterialien konsequent ökologisch sein sollten, es gilt alte, neue Materialien und Techniken wie Lehm oder Strohballenbau auszuprobieren.

Gleichzeitig haben SchülerInnen des Berliner John-Lennon-Gymnasiums eine Petition für den Unterrichtsanfang um 9:00 Uhr im Winter zur Abstimmung freigegeben, was dem natürlichen Schlaf- und Wachrhythmus viel näher kommt, als das 8:00 Uhr Modell. Leider haben aber gerade die jüngeren SchülerInnen dagegen gestimmt, jetzt bleibt noch die Entscheidung der Eltern und LehrerInnen abzuwarten.

Dennoch: Die schönste und demokratischte Schule ist immer noch die, die für die SchülerInnen immer offen steht, aber nicht zwangsweise genutzt werden muss. Wobei ich mir vorstellen kann, dass die Anzahl derer, die freiwillig zum Unterricht erscheinen  (und sei es um 11, aber dafür gutgelaunt und ausgeschlafen) durch eine architektonische Umgestaltung im Sinne der Vorschläge von Architekt Hübner, sprunghaft ansteigen würde. Gerade wenn sie in den Umgestaltungs- und auch Bauprozess miteinbezogen werden würden. Hier ließen sich- besonders gut für Fachidioten vom Gymnasium- fächerübergreifend Mathematik, Physik, Ökologie, Baustoffkunde, Psychologie, Soziologie und gemeinschaftliches Schaffen in Praxis umsetzen, was die fachlichen Kompetenzen, Eigenverantwortlichkeit und Identifizierung mit der Schule und MitschülerInnen stark erhöht.

Vielleicht wäre das eine geeignetere Antwort auf die angeblich immer agressiveren, desinteressierteren und gewaltbereiteren Jugendlichen, als Securitys am Eingang, Überwachungskameras, Fingerabdruck- und Ausweiskontrollen, und was derzeit als Hysterie nach dem Amoklauf in Baden-Würtemberg so alles durch die Medien geistert.

Aber mehr als einmal kann man wieder fragen: Wann wird man je verstehn? Wann wird man je verstehn?

“Schulen sind in Wahrheit Kasernen” Interview mit Architekt Hübner

“Schulen sehen aus wie Strafanstalten”

“Vom Klassenzimmer zum Wohnzimmer”

This entry was posted on Donnerstag, März 26th, 2009 at 4:49 pm and is filed under Lernen. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

One Response to “Schularchitektur”

  1. Poems
    2:43 pm on März 28th, 2009

    Aber die sollen doch alle neu angestrichen werden..
    Mit nix zufrieden, diese Bande

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