Containern
Containern, oder aus dem Englischen: Dumpster-Diving, also “in den Müll tauchen” ist eine moderne Abwandlung des Jagens und Sammelns, besonders verbreitet unter AnhängerInnen der sogenannten links-alternativen Szene. In anderen Ländern trifft mensch auch öfters ganz “normale” Obdachlose und andere, die einfach kein Geld für Essen ausgeben können oder wollen.
Die Containerszene ist schon eine Sache für sich. Da gibt es die Gelegenheitscontainerer, die mal bequem zum Supermarkt nebenan gehen, wo die Tonne offen steht und sich einfach bedienen. Da gibt es aber auch die Hardcoreleute ( auch Freeganer genannt), die Zaunanlagen und Stacheldraht überwinden, dann ein Schloß am Müll aufknacken um dann mit Spülmittel oder anderen gifitgen Substanzen übersähtes Gemüse bergen zu können. Die Supermärkte haben natürlich ganz schon Angst, dass sich jemand an ihrem Müll laben könnte und ihnen so der große Reibach entgeht. Laut Rechtssprechung ist der Müll auch noch Eigentum des Supermarktes und somit kommt es immer wieder zu Repressalien gegen Containerer, die im Extremfall vor Gericht landen.
http://de.indymedia.org/2008/12/235432.shtml,
http://de.indymedia.org/2009/03/244091.shtml?c=on#c560671
Die neuen Supermarktbauten, die immer weiter und unsere (Stadt) Landschaft verschandeln, den Einzelhandel in den Ruin treiben, mit großen Parkplätzen wertvollen Boden versiegeln, den Autoverkehr anheizen und mit absurden Preisdumpingsschlachten den Weltmarkt zum Erliegen bringen, haben bei ihrer architektonischen Konzipierung natürlich auch an die Müllesser gedacht und so ist die Abfalltonne meist schon in den Bau integriert und durch unüberwindlichen Eisenzaun “geschützt”.
So muss mensch immer findiger werden, wenn er noch Müll finden will. Ein Flugblatt gibt hierfür Tipps:
“Ein Spaziergang um die Ecke von deinem nächsten Supermarkt lohnt auf jeden Fall. Kurz vor Ladenschluss und um die Mittagszeit sind meist gute Zeiten. Lass dich nicht durch die angewiderten oder unverständlichen Blicke der KonsumentInnen abschrecken, die dich eventuell vom Parkplatz aus sehen können. Auch wenn du Angestellte triffst, ist das normalerweise kein Grund, in Panik zu geraten.
Auch wenn es Urteile gegen Containerer gab, kann mensch oft mit einem erklärenden Gespräch die Sitaution retten. Denke dran, dass der/die VerkäuferIn mit dir in einem Boot sitzt und selbst kaum über die Runden kommt. Agressivität ist nicht angebracht. Bei kniffeligen Läden lohnt auch ein Besuch des Nachtes. Gerade unsere ausländischen MitbürgerInnen sind oft spendabel. Es ist schon passiert, dass sie nach einem Gespräch eine Uhrzeit genannt haben, wann wir vorbeikommen sollen und dann wurden wir täglich mit noch relativ frischem Gemüse versorgt.”
In Berlin gab es meines Wissens einmal eine Containerkarte, wo die lukrativsten Läden inklusive Uhrzeit eingezeichnet waren. Wenn ich sie auftreibe, werde ich sie online stellen. Auch in anderen Städten existieren ähnliche Initiativen. Kennst du keine solche Gruppen, gründe einfach eine. Mach es nicht wie Schlumpf, sondern teile dein Wissen, wo mensch kostenlos an die Grundgüter kommt. Zeichne eine Karte, gründe eine Containerkooperative, wo die Menschen sich an den einzelnen Wochentagen beliefern und wenn nötig auch um den Rechtsbeistand kümmern.
Es gibt in der Containerszene immer wieder Diskussionen um Sinn und Ursache dieser Praktik. Die einen sehen im Containern eine Möglichkeit, oft in Kombination mit Hausbesetzungen oder nomadischem Lebensstil ein Leben ohne Erwerbsarbeit führen zu können und somit mehr Zeit für anderen politischen Aktivismus zu haben um die Verhältnisse radikal ändern zu können und das Modell der Supermärkte längerfristig gesehen abschaffen zu können.
Andere finden es zwiespältig, einerseits gegen die Supermarktkultur und auch gegen die oft miserable Qualität des dort angebotenen Essens ( inklusive Verpackungsmüll) zu sein, aber im Endeffekt davon zu profitieren. Sie wollen durch ihr Konsumverhalten ( bio, regional, saisonal, persönlicher Bezug zum Bauern ohne ZwischenhändlerInnen, Food-Coops…) das bestehende System ändern oder propagieren die Devise “Luxus für alle” und eignen sich die noch frischen Produkte lieber gleich aus dem Regal an.
Oft existieren Mischlösungen, da mensch im Container ja auch nicht immer alles findet und das was fehlt wird dann eben nach genannten Kriterien eingek(l)auft.
Zudem versuchen verschiedene Gruppierungen, auf die Wegwerfproblematik mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen aufmerksam zu machen und die Supermärkte moralisch unter Druck zu setzen. So gab es z.B. schon Volksküchen auf den Supermarktparkplätzen, wo kostenlos vegetarisches Essen aus der Tonne an die PassantInnen ausgegeben wurde.
Weitere Gedanken und praktische Tipps zum Containern:
http://de.wikipedia.org/wiki/Containern
Kampagne gegen die Vernichtung von Lebensmitteln
Der autonome Container-Foto-Vernetzungs-Blog
Musical-Dokumentation aus Kanada über “Dumpster Diving”
This entry was posted on Sonntag, März 8th, 2009 at 3:15 pm and is filed under Leben ohne Geld. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

2:02 pm on März 10th, 2009
Liebe Silvia!
Ich habe grade Dein Interview auf WDR5 gehört. Du hast mir aus der Seele gesprochen. Es braucht immer Mutige (ganz besonders in unserer Gesellschaft,) die um die Ecke denken! Bleib weiter auf diesem Weg, nur so kann sich was bewegen… Freue mich schon auf Dein Buch..
Basti
1:02 pm on April 2nd, 2009
Also wenn es mutige gibt, dann bin ich wohl eine davon *zwinker*, denn ich bin auch eine die Containert. Meine Tour ist am Sonntag und ich habe nur ein paar Supermärkte wo ich hinfahre, das reicht mir, weil sie in einem Viertel liegen wo ich erst mit dem Rad eine dreiviertel Stunde brauche, um dort hinzu kommen. Zum Glück ist mir noch keiner in die Querre gekommen, bis auf einen “Profie”
. Ich bereue es nicht, das was ich gefunden habe waren alles Lebensmittel im Top Zustand, viele davon nicht mal abgelaufen und wenn, schlecht war nicht eines davon. Überwindung kostet es , das stimmt. Auch nach über einem halben Jahr habe ich oft Herzklopfen wenn ich an “meine Tonnen komme”, man weiss ja nie. Zum Glück sind es die dortigen Anwohner gewohnt, vor mir sind andere Sammler da gewesen, also nix neues. Überwindung ist das einzige was man braucht, dann noch Handschuhe, eine dreckabweisende Jacke, große Taschen, Tüten usw.
Ich kenne einen der wärend der Öffenungszeiten an einem Plus Markt an die Tonne ging. Seelenruig hat er dort rum gesucht. Am nächsten Tag war eine dicke,lange Kette mit einem teuren Schloss dran und den Mann habe ich nicht mehr gesehen. Also das muss nicht sein, so bekommt man echt Probleme.
Ich bin DAFÜR, denn das was noch gut und essbar ist hat nix im Abfall zu suchen, nur scheint das die Supermarktbetreiber nicht zu interssieren, das was nicht mehr in´s Sortiment passt kommt weg, finde ich das denn, ist meine freude groß.Lidl und Aldi haben keine offenen Tonnne, hier zumindest nicht und wenn, dann sind sie eingesperrt und mehrfach gesichert, also keine Chance da je ranzukommen.
Interssen gründen ist hier nicht gefragt, die Ausbeute ist nicht so gewalltig, da sieht jeder zu das er selber zu was kommt. Sammler sind unter sich, das geht vielleicht in Berlin, Hamburg oder Franfurt.